Reisebericht Kuba – Viva Cuba!

An was denkt ihr bei dem Land “Kuba” zuerst? An Rum, Oldtimer, Musik, Salsa, Mojitos, Sonne, Lebensfreude… All das haben wir in den letzten Wochen in diesem wundervollen Land tatsächlich mehr als ausgiebig genossen. Allerdings ist Kuba viel mehr als das und wenn man etwas länger in diesem Land bleibt und nicht nur einen Vier-Sterne-Komplex in Varadero genießt, bekommt man das auch zu spüren. Wir haben unsere Reise durch Kuba selbst und damit ganz individuell gestaltet. In diesem Blogbericht geben wir unsere persönlichen Sichtweisen wieder, die bestimmt nicht immer politisch korrekt sind, aber unsere Empfindungen bei der Reise durch dieses einzigartige Land wiedergeben…

Unsere Reise durch Kuba
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Unsere Reise durch Kuba

 

 

La Habanna – Viva Cuba

Erstmal allen Gerüchten, Warnungen in Reiseführern usw. zu trotz: Die Touristenkarte für Kuba haben wir in Cancun am Flughafen absolut problemlos erhalten. So richtig herzlich hat uns Kuba dann aber trotzdem nicht empfangen. Schon bei der Anreise gab es die ersten Probleme: Im Flugzeug beißt Janet herzhaft in einen Schokoladenkeks „knax“ und ein Stück Backenzahn verabschiedet sich. Dann gibt es ein starkes Gewitter direkt über dem Flughafen Havannas und für uns damit eine Zwischenlandung in Varadero. Mit einiger Verspätung dann endlich in Havanna am Flughafen angelangt wurde Janet vom Zoll aus der Menschenmenge gezogen. Erst gibt es eine Art Interview – bei dem Fabian nicht dabei sein darf – danach werden all ihre Sachen einzeln ausgepackt und ihr Tagebuch argwöhnisch inspiziert. Erst gegen Ende erfahren wir, dass es um ihr Autoren-Studium geht…mehr erfahren wir auch nicht, aber zum Glück darf sie einreisen. Wir nehmen ein Taxi vom Flughafen zu unserem Casa Particular, das wir für drei Nächte im Voraus über das Internet gebucht hatten. Der Taxifahrer ist total gesprächig und Fabian unterhält sich auf spanisch über Autos und das Wetter. Die vielen bunten Oldtimer auf den Straßen sind faszinierend und manche haben sogar ein Apple Zeichen auf der Windschutzscheibe kleben, ein herrlicher Kontrast. Oscar, der Besitzer unserer Unterkunft, begrüßt uns herzlich, wenn auch Janet gegenüber etwas distanzierter- vllt. weil sie eine Frau ist oder eben nicht so gut spanisch spricht. Obwohl es schon relativ spät Abends ist nimmt sich Oscar noch die Zeit uns die nähere Umgebung zu zeigen und so finden wir uns schnell zu recht. Unser Zimmer ist riesig, mit Küche, eigenem Bad und wir fühlen uns gleich heimelig. Seit der Liberalisierung im Jahre 2011 schießen diese Privatunterkünfte wie Pilze aus dem Boden. Auch kein Wunder, denn die Tatsache ist leider, dass es sich für die meisten Menschen nicht mehr lohnt ihren eigentlichen Beruf auszuüben, denn der Verdienst mit einer privaten Unterkunft übersteigt schon nach einem Tag das Einkommen der meisten staatlich angestellten Mitarbeiter (Gehalt liegt ca. bei 15 CUC pro Monat). Da es in unserem Casa in Havanna kein selbstgekochtes Essen gab, sind wir immer essen gegangen. Snacks wie Pizza, Eierbrötchen, Säfte…haben wir meist in der nationalen Währung (CUP) bezahlt und damit wirklich günstig gegessen. Da unser Casa etwas außerhalb im Stadtteil Vedado/Plaza de la Revolucion lag, haben wir meist ein Oldtimertaxi in die Stadt genommen. Supergünstig und es ist einfach ein tolles Gefühl in solch einem alten Auto zu fahren und gehört in Kuba auf jeden Fall dazu.

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Bei unseren zahlreichen Spaziergängen durch Havanna waren wir fasziniert, verwundert, verzaubert, erstaunt und verwirrt zugleich. In “Habana Vieja” (der Altstadt) vorbei an unzähligen historischen Baudenkmälern, Kirchen, Palästen, Bars mit lauter, fröhlicher kubanischer Musik und den vielen kleinen Gassen in denen es erstaunlich viel zu entdecken gibt. Da sind die vielen kleinen Geschäfte der Einheimischen, wie Bäckereien – oftmals nur mit einem Brot im Angebot und ab mittags herrscht hier gähnende Leere oder die Fleischverkäufer, die ihre Ware des Tages hängend in kleinen Fenstern anpreisen und meistens lungert unmittelbar davor mindestens ein Hund herum. Die Kubaner lieben es ihre Wohnzimmertüren offen zu lassen und damit das Leben auf der Straße zu verfolgen – uns hat das einen Blick in sämliche kubanische Wohnzimmer ermöglicht. Hier steht meistens ein Schaukelstuhl direkt in Tür- / Fensternähe, auf dem das Tagesgeschehen beobachtet wird. Auf den ersten Blick offensichtlich heruntergekommen verzaubern einen die prachtvolle Architektur und bunten Farben, die pure Lebensfreude ausdrücken. Zwar sind die meisten Gebäude wirklich sichtbar vom Zerfall befallen aber irgendwie macht auch genau das den Charme dieser Stadt aus.

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Hinzu kommen die unzähligen Bilder mit dem Konterfei Che Guevaras und der Kampfansage “Hasta la victoria siempre” an den Mauern, Hauswänden und wo sonst eben Platz ist und die vielen Parolen Fidel Castros zur Revolution.

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Dazu die wunderschönen Oldtimern die in den schillernsten Farben auf Havanas Straßen glänzen. Von ihren Besitzern innig geliebt, werden viele von ihnen täglich auf Hochglanz poliert und wir waren immer wieder aufs Neue erstaunt was für Prachtexemplare hier auf den Straßen zu finden sind. Eine Fahrt im Cabrio entlang des Malecons – der berühmten Ufterstraße Havanas versetzt einen in den Zauber der 60. Jahre zurück und in den lauen Abendstunden kann man hier zahlreiche Habaneros beim quatschen, lachen, flirten und Rum trinken beobachten.

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Beim schlendern durch die vielen Sehenswürdigkeiten wird es schon etwas anstrengender. Ständig fragt uns Jemand nach Geld und dabei werden auch sämtliche Geschichten wie “Für Babywindeln benötigt”, vermeintliche Einladungen in Tanzcafes usw. aufgetischt. Wir schauen uns das “Museum de la Revolution” an- fanden es allerdings eher etwas langweilig, spazieren stundenlang einfach durch die Gegend, trinken leckere Mojitos und werden immer wieder von heftigen Regenschauern überrascht und stellen uns minutenlang mit den Einheimischen eng aneinandergedrückt unter kleine Vordächer.

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Etwas das uns auch auffällt, ist das die Menschen hier oft extreme übergewichtig sind – etwas das uns sehr verwundert hat. Bei ihrer Recherche hat Janet rausgefunden, dass 45 % der Kubaner an Übergewicht leiden, was wohl häufig auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Einen intressanten Artikel darüber gibt es hier: http://www.medscapemedizin.de/artikel/4901009

Von Havana geht unsere Reise weiter nach Vinales. Unsere Unterkunft wurde uns über Kontakte von Oscar reserviert. Reisen in Kuba ist wunderbar einfach. Egal wo man hinmöchte, Jeder kennt Jemandem am ausgesuchten Ziel und so erstpart man sich das lange Suchen einer Unterkunft vor Ort. Wir haben damit auch nur tolle Erfahrungen gemacht und falls es einmal doch nicht passen sollte, kann man ja immer noch selbst suchen. Wir sind mit dem Bus (Viazul) gefahren und wurden in Vinales direkt am Busterminal abgeholt.

Vinales – mitten im Paradies

Hier haben wir es mit unserer Unterkunft wirklich bombastisch gut erwischt. Unser Casa Particular ist einfach wunderbar und Teresa-   die Hausherrin – ist ein Goldstück und eine ausgezeichnete Köchin noch dazu. Beim ersten Abendessen dachten wir noch wir essen gleich mit der ganzen Familie zusammen, aber das war alles für uns..und auch das Frühstück ist der Wahnsinn- wow!

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Wir unternehmen Spaziergänge durch das verträumte Örtchen und die paradiesische Natur und mal wieder sind wir von Kuba überrascht. Unser Weg führt vorbei an zahlreichen Häuschen die in senfgelb, himmelblau oder quietschpink wie ein Regenbogen leuchten. Auf den Verandas beoachten die Bewohner vor sich hinwippend Nachbarn und Touristen und gelegentlich wird an einem guten kubanischen Rum genippt. Fast alle bieten eine Privatunterkunft an, trotzdem wirkt es hier friedlich und überhaupt nicht touristisch, eher total verträumt. Wir folgen einfach einem der roten Sandwege, vorbei an Bananenstauden, Gemüsefelden und von Pflügen umgegrabenen Tabakplantagen, Pferde stehen friedlich Gras mampfend am Wegesrand und hin und wieder sehen wir Schweine mit kleinen Ferkeln im Schlamm wühlen.

Die faszinierende Landschaft bei Vinales / Pinar del Rio.

Die faszinierende Landschaft bei Vinales / Pinar del Rio.

Wir sind umgeben von nebelbehangenen Bergen, werden von Pferdekutschen und Ochsenkarren überholt, die Landschaft strotzt nur so vor grün und die Erde ist in einem fruchtbaren rotton gefärbt. Die Menschen hier sind freundlich und aufgeschlossen, ganz anders als in der Stadt. Jeder, wirklich Jeder an dem wir vorbeikommen grüßt uns und die Bauern auf ihren Pferden heben beim vorbei fahren zum Gruß sogar ihren Hut. So viel grün und unberührte Natur hatten wir nicht ertwartet. Das Wetter ist leider auch hier mal wieder nicht wirklich Kuba-like – behangener Himmel und gelegentlich starke Regenschauer, aber das kann uns nicht davon abhalten die Umgebung zu erforschen.

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Mitten aus dem Nichts taucht ein Farmer mit seinem Hund auf und meint wir können den Weg nicht weiter entlang gehen, da er vom Regen zu schlammig geworden ist. Er deutet uns in eine andere Richtung und zufällig scheint dies auch sein Weg zu sein. Wir unterhalten uns nett über den Anbau der verschiedenen Pflanzenarten und schwupps landen wir in einer Tabakplantage.Ganz so zufällig war der Weg dann doch nicht 🙂

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Angeblich gibt es hier den besten Pina Colada Cubas – den trinken wir dann natürlich auch, dazu gibt es eine riesige Obstplatte und im Anschluss wird uns Schritt für Schritt erklärt wie Tabak hergestellt wird. Klarer Fall von Touristenfalle – aber schön und lehrreich wars trotzdem. Vinales ist ein wundervoller Ort, der in einer der schönsten Naturlandschaften Kubas liegt.

Infos rund um den Tabakanbau:

„Wer nie kubanische Zigarren probierte, darf nicht behaupten, etwas von Zigarren zu verstehen.“

Zigarren gehören zu Kuba wie Whisky zu Schottland. Daher wird Kuba zurecht als klassisches Land für den Anbau für Tabak bezeichnet. Als bestes Anbaugebiet ist die Provinz Pinar del Rio (wo auch Vinales liegt) bekannt. Eine der Haupteinnahmequelle neben dem Gemüseanbau und Tourismus stellt die Tabakproduktion dar.

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Uns wird erklärt das die Tabakpflanzen in einer Art Zuchtstation sehr dicht aneinander angepflanzt werden. Die Samen hierfür werden von staatlichen Quellen zur Verfügung gestellt, Bis zu 800 Sätzlinge auf einem Quadratmeter. Nach 6-8 Wochen werden die Pflänzchen auf das freie Feld umgesetzt, dies geschieht in der Regel im Oktober. Anfallende Arbeiten wie das Pflügen der Felder, Jäten von Unkraut und die Schädlingsbekämpfung werden von Hand verrichtet. Nach ca. 2 Monaten  erreichen die Tabakpflanzen die Erntereife und können bis zu 2 Metern groß werden. Die Tabakernte erstreckt sich oft über mehrer Wochen und erfolgt Blattweise entsprechend der Reife. Es werden zwei Tabakarten angebaut: Die Criolo liefert die Einlage, die Corojo das Deckblatt. Nach der Ernte wird der Tabak büschelweise zum lufttrocknen an Schnüren in Scheunen aufgehängt und anschließend zweimal fermentiert. Hierbei werden schlechte Blätter aussortiert. Die grünen Tabakblätter erhalten so nach und nach ihre bräunliche Färbung. Zur Aufbewahrung wird der Tabak in feste Ballen gepresst.

Alles wird uns genauestens erklärt und zum Schluss wird uns auch noch gezeigt wie die Zigarre aus den verschiedenen Blättern gedreht wird. Versteht sich von selbst, dass wir dann auch Zigarren kaufen.

Wir machen eine Fahradtour und fühlen uns wieder einmal wie auf eine Zeitreise zurück in die 60er Jahre mitgenommen. Pferdekutschen, Ochsengespanne, Oldtimer, Straßenhunde und aus China importierte Touristenbusse teilen sich mit zahlreichen Fahradfahrern den Asphalt.

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Wir besichtigen die Tropfsteinhöhle “Cueva del Indio” ein faszinierendes Wunder der Natur, das per Boot auf einem unterirdischen Fluss durch die Höhle erkundet werden kann.

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Danach gibt es eine kleine Stärkung in einem heimeligen Restaurant direkt an der Straße – Janet hat nach knapp 30 km Fahrad fahren – mit viel Bergauf-Anstrengung nämlich keine Lust mehr, Fabian möchte aber unbedingt noch zu irgendeinem supertollen Aussichtspunkt. Nach dem Snack geht die Quälerei also weiter Berg auf Richtung Aussichtspunkt – Janet kann nicht mehr und nutzt einen vorbeifahrenden Kutscher zum Anlass für eine Fotopause. Unmittelbar nach dem Kutscher hält ein Auto an und: Oh Gott – die Welt ist klein! Freunde aus Deutschland starren ihr ungläubig entgegen! Die Freude ist riesig – die vier sind nämlich schon zusammen in Tansania auf Reisen gewesen und nehmen die Gelegenheit daher gleich beim Schopf, schon nach wenigen Minuten ist klar: ab jetzt wird zusammen gereist! Da Jan und Jasmin ihre Reise von Deutschland aus gebucht haben und eine festgelegte Route haben, schmeißen wir unsere geplante Route einfach über Bord und schließen wir uns ihnen an. Da die beiden ein Mietauto haben sind wir ab jetzt für kubanische Verhältnisse mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs. Ihre Route führt uns über einen kurzen Zwischenstop in Cienfuegos nach Trinidad.

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Trinidad

Unsere neugewonnen Reisegefährten übernachten in einem Hotel etwas außerhalb. Wir haben von einem Kollegen aus Deutschland einen tollen Tip für ein Casa Particular mitten in der Stadt bekommen und haben Glück – es ist noch ein Zimmer frei. Unsere Gastmama Onidia begrüßt uns überschwinglich, umarmt und küsst uns und wir fühlen uns gleich wohl. Genauso überdreht und schrill wie unsere Gastmama ist unser Zimmer: Ein Traum aus Samt in lila.

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Am Abend genießen wir alle gemeinsam die Kochkünste ihres Mannes: Hummer, Garnelen, Suppe – besser als in jedem Sternerestaurant. Danach schlendern wir durch die koloniale Schönheit Kubas, durch kleine Gassen, über Kopfsteinpflaster vorbei an gut erhaltenen bunten Häusern. Wunderschönes Trinidad! Am Plaza Major genießen wir Livemusik und schlürfen dazu reichlich Mojitos.

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Sancti Spiritus – Santa Clara

Von Trinidat cruisen wir mit dem Auto zuerst nach Sancti Spiritus. Die Mädels sind so müde, dass gleich einnicken – nur Jan als Fahrer hält zum Glück kein Nickerchen ;-). Sancti Spiritus ist ein hübsches kleines Örtchen, allerdings reicht unsere Zeit hier nur für einen kurzen Spaziergang durch die Fußgängerzone, den Blick auf die Kathedrale und einen kleinen Snack in Form eines Sandwiches. In Santa Clara suchen wir erstmal ewig lang nach dem Hotel von Jan und Jasmin, das einem Indianerdorf ähnel sollte. Wir finden wieder eine schöne Übernachtungsmöglichkeit in einem Altbau. Beim erkunden der Stadt schauen wir uns das “Monumento al Tren Blindado” eine Art Güterwagenmuseum an – allerdings nur von außen. Am 29. Dezember 1958 fand in Santa Clara einer der berühmtesten Zugüberfälle der Geschichte statt. Comandante Ernesto Che Guevara und zwei Dutzend Rebellen brachten durch Zerstörung der Gleise an einem Bahnübergang mit einer Planierraupe den in den Osten der Insel fahrenden Panzerzug zum Entgleisen, was einen Wendupunkt der Revolution bedeuten sollte. Danach verweilen wir eine ganze Weile auf einem Schaukelspielplatz, besichtigen den Park mit einigen Statuen – für die Kinder ist hier es ein Vergnügen in kleinen Kutschenwagen die von Ziegenböcken gezogen werden den Park zu umrunden – und genießen danach gute einheimische Küche in einem lokalen Restaurant. Ein “Geheimtipp” aus dem Lonely Planet – wir haben Glück – keine 30 Minuten nach dem wir an unserem Tisch sitzen bildet sich eine riesige Schlange vor der Tür – das Restaurant “El Alba” ist bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt. Am nächsten Morgen besichtigen wir eine Zigarrenfabrik.

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Nach dem wir bereits ausführlich gelernt haben, wie Tabak angepflanzt und geerntet wird, erhalten wir jetzt einen Einblick in die Fertigung der Zigarren. In der Fabrik sind um die hundert Mitarbeiter sitzend an langen Arbeitsbänken. Jeder Arbeitsplatz ist mit einer Nummer versehen, so dass im Nachgang genau festgestellt werden kann, wer welche Zigarre hergestellt hat. Da jeder seine Zigarren von A-Z selbst macht, kann dies genau nachvollzogen werden. Jede einzelne Zigarre wird in mühevoller Handarbeit hergestellt. Eine Havanna besteht im Wesentlichen aus Deckblatt, Unterdeckblatt und Füllung. In jeder Zigarre stecken nur drei verschiedene Sorten Blätter der Tabakpflanze , trotzdem lassen sich viele verschiedene Marken komponieren. Bei der Fertigung wird zunächst die Füllung der Zigarre aus den verschiedenen Blättern gemischt, um die um die dann das Unterdeckblatt und das Deckblatt gewickelt werden. Die Mitarbeiter müssen zunächst eine 9 Monatige Ausbildung durchlaufen, in der sie kaum etwas verdienen, aber ihre hergestellten Zigarren zu einem billigeren Preis an die Mitarbeiter der Fabrik verkaufen, da sich diese noch nicht für den Ladenverkauf eignen. Ein fertig ausgebildete Zigarrendreherin (die meisten Mitarbeiter sind weiblich) fertigt pro Tag zwischen 80 – 120 Zigarren. Im ersten Arbeitsgang wird die Zigarrenfüllung aus den Blättern der entsprechenden Rezeptur zusammengedreht und ein erstes Mal für zwei Stunden gepresst, danach werden die Zigarren einer ersten Kontrolle unterzogen mit eine Maschine wird die Stärke und der Druck der Zigarre geprüft. Nach dieser Kontrolle werden die Zigarren erneut gepresst und mit der Anbringung des Deckblattes fertiggestellt. Danach werden die Zigarren fein säuberlich angeschrieben und in 10er Paketen mit Bändel gebunden, erneut kontrolliert auf den richtigen Durchmesser gemessen und gewogen.

Und wie raucht man so eine Zigarre stilecht?

Aficionados – so nennen sich die kubanischen Zigarreniebhaber, haben dafür folgende Tipps:

  • Schritt 1: Mit einem Zigarrenanschneider sollte am Mundende eine saubere Kerb geschnitten werden. Wenn der Tabak hierfür zu trocken ist, kann er mit den Lippen befeuchtet werden.
  • Schritt 2: Die Zigarre beim  Anzünden mit den Lippen leicht nach unten halten und mit einer Hand leicht in der Flamme gedreht werden. Deckblatt und Füllung müssen gleichmäßig glühen.
  • Schritt 3: Den Rauch nicht inhalieren, Zigarren werden nicht auf Lunge geraucht. Den Rauch einige Sekunden im Mund schmecken, danach ausatmen. Die Asche nicht wie bei einer Zigarette abstoßen, sondern vorsichtig abrollen. Die Zigarre wird nur zu zwei Dritteln geraucht, dann geht sie meist von selbst aus.

Danach machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Denkmal von Che Guevarra , dann heißt es auch schon Goodbye Santa Clara und Welcome Varadero.

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Varadero – unser Urlaub vom Urlaub 🙂

Hier erwartet uns das kontrastreichste Programm unserer Kubareise. Als Ausklang ihres Kubaurlaubs haben unsere Freunde für eine Woche ein 4-Sternehotel im Touristenparadies Kubas gebucht. Wir schließen uns spontan für drei Tage an und es ist sogar gar nicht so teuer und passt in unsere Reisebudget. Hier landen wir allerdings in einer ganz anderen Welt und vom Zauber und dem Charme des Landes ist hier nichts zu spüren. Das einzig schöne an Varadero sind die weißen Sandstände. Trotzdem haben wir viel Spaß zusammen, lassen uns stundenlang die Sonne auf den Bauch scheinen, genießen das reichhaltige All inclusive Angebot und trinken die schlechtesten Mojitos unseres Lebens – was Pauschaltouris eben so machen.

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Nach drei Tagen heißt es dann Abschiednehmen und unsere Reise führt uns weiter mit dem Bus nach Camaguay.

Camaguay

Da wir um 5 Uhr morgens ankommen und noch keine Unterkunft vorreserviert haben versuchen wir es bei einer Adresse aus unserer Reisefibel. Leider ausgebucht. Aber unser Taxifahrer ist geduldig und die Casabesitzer wie immer sehr hilfreich. Natürlich kennen sie Jemanden in der Nähe, der ein tolles Casa beitzt und schwupps sind wir in unserem neuen zuhause für die nächsten drei Tage. Nachmittags suchen / stehen wir glatte 3h in der Schlange auf der Suche nach einem Internetcafe – das macht ihr wirklich keinen Spaß, aber wir müssen dringend einige Dinge für Silvester klären und unseren Flug nach Ecuador buchen. In Camaguay sind wir das erste mal richtig faul. Wir schlendern durch die Altstadt mit toller Architektur und vielen kleinen Künstleratteliers, beobachten stundenlang die Menschen auf den Straßen, verbringen viel Zeit mit Lesen, machen Sport und klären nach Möglichkeit ein paar Dinge im World Wide Web.

Santiago de Cuba – wir haben uns verliebt

Die Fahrt von Camaguay nach Santiago dauerte 7h, eigentlich durch eine wunderschöne grüne Landschaft, aber im Bus roch es wiederdlich nach Urin. Unser Casa Particular war dafür mal wieder traumhaft. Zwar war das Zimmer recht klein, dafür hatten wir eine riesige Terrasse, von welcher aus wir eine wunderbare Aussicht auf die Stadt und das rege Treiben auf der Straße hatten. In den Abendstunden wurden immer Tische mitten auf der Straße aufgestellt, Laternen angezündet und die Doministeine rausgeholt. Wir hatten Spaß dabei die erwachsene Männer bei ihren stundenlangen Domino Partien zu beobachten.

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Zudem ist unser Gastpapa Jesus ein herzensguter Mensch und Fabian uns er tauchen etwas in die geschichtliche Vergangenheit ein um Fabians “vielleicht” asiatiischem Ursprung auf den Grund zu kommen. Santiago zieht uns irgendwie in seinen Bann. Zwar sind die Spaziergänge durch die hügelige Lage der Stadt immer recht anstrengend und unser Casa befindet sich nicht direkt im Zentrum, zudem ist auf den Straßen extremer Betrieb und die Abgase der verkehrstechnisch übervollen Stadt rauben einem tagsüber fast die Luft zum Atmen – trotzdem: wir haben uns verliebt. Wir besuchen das Museum “casa del caribe” das eine Ausstellung der karibisch – afrikanischen Religion beherbergt. Teilweise irgendwie gruselig.

IMG_9970Bei einem unserer Spaziergänge landen wir in einer Bar die zum Rummuseum gehört und kommen mit dem Barkeeper ins Gespräch der uns einiges aus seinem Leben und über seine Famile erzählt. Zuerst trinken wir einen Mojito, danach genießen wir einen 20 Jährigen Rum und fühlen uns schon fast wie richtige Kubaner und bekommen zum Abschluss sogar noch ein Gläschen Rum geschenkt.

IMG_0022Leicht angeschwippst machen wir uns auf die Suche nach einem Snack und landen an einem der zahlreichen Pizzastände und sind erstaunt wie gut der Pizzaverkäufer deutsch spricht – auch er unterhält sich eine Weile mit uns – auf deutsch, er will es nämlich wieder auffrischen. WIe einige Andere die wir treffen hatte auch er als Student für einige Monate in der DDR gelebt. Abends lernen wir eine 71 Jährige Frau kennen, die Erdnüsse verkauft um sich über Wasser zu halten. Sie erzählt uns, dass sie täglich von 17 – 23 Uhr arbeitet und bedankt sich überschwenglich, als wir ihr Erdnüsse für umgerechnet 1 € statt 10 Cent abkaufen. Janet ist fasziniert von dieser Frau und so suchen wir sie am nächsten Abend wieder auf um ihr ein kleines Geschenk zu überreichen, die Freude ist groß.

DSC01982Es sind die Menschen, die diese Stadt so einzigartig machen. Freundlich, aufgeschlossen, lebensfroh. Gerade ältere Menschen fallen uns besonders auf. Sie spielen Gitarre, trommeln, beobachten vor ihren Häusern sitzen das Treiben auf den Straßen, in engen Hausfluren werden Haare gestutzt und auch Fabian traut sich zum Friseur :-).

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Abends werden wir von Jesus auf ein Bier mit seiner Familie eingeladen, als wir ihn zufällig beim Einkaufen treffen- einfach schön!

Baracoa – Ein Traum aus Schokolade und Kokosnuss

Schon die Busfahrt nach Baracoa ist bezaubernd. Die Landschaft ist atemberaubend schön und führt uns entlang des Meeres über zahlreiche Bergstraßen.

IMG_0064 IMG_0067 IMG_0078Bei einem kurzen Zwischenstop probieren wir eine von Baracoas bekannten Süßigkeiten “Cucuruchu “  eine Art Kokospaste mit Schokolade eingepackt in Kokosblätter und anschließend reräuchert – super lecker, aber irre süß. In unserem Casa werden wir wie in einem Hotel bedient und das Essen ist wunderbar – aber komplett anders als im restlichen Kuba. In Baracoa sind noch einige Elemente der Taino-Kultur (Ureinwohner Kubas) lebendig und auch die Küche Baracoas ist von dieser Kultur beeinflußt. Wir essen Fisch in Kokossoße, Hühnchen in kräftiger Salsasoße, alles ist etwas deftiger und mit Soße, die wir letzten Wochen etwas vermisst haben. Am ersten Tag gibt es zur Begrüßung die Spezialität des Hauses – extra für uns gezaubert: Eine Meeresfrüchtesuppe – und zwar mit allem möglichen, das im Meer zu finden war. Wir werden so herzlich aufgenommen und bedient, das wir es nicht über uns bringen zu sagen, dass wir das nicht so gerne essen. Fabian ist die Suppe komplett auf, Janet trinkt die Brühe – aber leider ist die Katze die sie sich als Komplizin für die leckeren Meeresfrüchte ausgesucht hat nicht interessiert und am Schluss bleibt eben doch ein großer Rest im Teller liegen. In der Region um Baracoa werden Kokosnüsse, Kakao und Kaffee angebaut. Hier befindet sich auch die einzige Schokoladenfabrik zur Herstellung der Schokoladen-Rohmasse (gegründet übrigens von El Che). Alle Schokolade, die in Kuba hergestellt wird, hat hier ihren Ursprung.

Wir machen einen Spaziergang zum “Hotel El Castillo” von wo aus man einen gigantischen Ausblick über Baraco und die Bucht hat wooow!

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Beim Abendessen in unserem Casa lernen wire in anderes Paar aus Deutschland kennen. Sie sind mit dem Auto unterwegs und laden uns für den nächsten Tag zu einem Ausflug zum Yumuri River ein. Am Straßenrand stehen wieder zahlreiche Kubaner die auf eine Mitfahrgelegenheit hoffen und als Autofahrer hat man schon fast ein schlechtes Gewissen einfach vorbei zu fahren. Eine Frau mit ihrem Kind nehmen wir schließlich mit. Sie heißt Maria, ist wahnsinnig gesprächig und erklärt uns alles über die Gegend und auf direktem Weg landen wir bei der Bootsablegestelle des Yumuri Flusses. Als wären wir schon lange angemeldet gewesen, steht dort ein Mann, der anbietet gegen etwas Trinkgeld auf unser Auto aufzupassen – die beste und sicherste Art in Kuba sein Auto zu parken – und fünf weiter Frauen inclusive Maria schließen sich unserer Bootstour an und erzählen uns Geschichten über den Fluss und die Natur. Mit einem Ruderboot fahren wir den Fluss entlang und genießen die friedliche, verzaubernde Landschaft.

DSC02093 DSC02095 Es wurden uns auch zwei Legenden erzählt, von welchen der Fluss Yumori seinen Namen haben soll. Die erste Legende besagt, dass die Indianer die hier um den Fluss gelebt haben sich in Zeiten der Sklaverei von den Felswänden in den Fluss gestürtzt haben um zu sterben ( yo mori = ich sterbe) und damit der Sklaverei zu entkommen. Die 2. Legende besagt das es hier im Tal eine verwunschene Indianerprinzessin gab, die Unglück über ihr Volk bringen würde, sobald sie sich verliebte. Eines Tages kame in Häuptling eines fremden Stammes in ihr Dorf und schon bald hatten sich die beiden jungen Menschen verliebt und am gleichen Tag begann die Erde zu beben, die Hügel öffneten sich, und es bildete sich der Fluss, der wild und schnell strömend das Dorf verwüstete und die Liebenden mit sich in die Tiefe riss. Laut der Legende schrie die Prinzessin vor ihrem Tod :Yu murí! (Yo morí, Ich sterbe) und dass daher der Name des Flusses und des Tals kommt. Wir wandern durch den Dschungel, der den Fluss ringsum umgibt und Maria und die anderen Frauen zeigen uns Kakaopflanzen, verschiedene Früchte, Heilkräuter. Leider wird die Stimmung vorallem bei Janet schlagartig getrübt als eine Frau einen Hummer aus dem Wasser holt um uns diesen zu zeigen und ihn dann auch noch zweimal aus der Hand fallen lässt und das arme Tier hart auf den Boden aufknallt. Danach reist sie auch noch einer Krabbe eine Schere aus um uns diese zu zeigen, die Tiere schmeißt sie zurück ins Wasser. Das muss echt nicht sein. Die Frauen erzählen uns auch von ihrem schweren Leben außerhalb Baracoas und das die einzige Arbeit die Kaffeeernete von Oktober bis Dezember ist, ansonsten halten sie sich mit Gelegenheitjobs wie Tomatenernte über Wasser. Am Schluss werden wir von den Frauen gefragt, ob wir alte Kleider, Spielsachen oder Seife haben – haben wir, aber alles in unserem Casa. Wir verabreden uns für Morgen bei unserer Unterkunft und sind tatsächlich auch ein bisschen erstaunt, als zwei der Frauen Punkt 9 bei uns vor der Tür stehen, freuen uns aber, da die ganze Seife und mein afrikanisches Kleid doch noch glückliche Abnehmer gefunden hat.

Wir machen eine Fahraddtour zum El Yunque Nationalpark wo wir zu einem Wasserfall wander möchten. Die Straße zum Eingang des Nationalparks ist nicht ganz optimal zum Biken und da es gestern Abend geregnet hat gelegentlich auch gefährlich rutschig. Hin und wieder müssen wir absteigen, kommen aber unversehrt an. Am Eingang zum Nationalpark müssen wir dann unsere Räder abstellen und einen Guide nehmen. Fernando erklärt uns einige Früchte und zeigt uns eine weiße duftende Blume “Mariposa” die Nationalblume Kubas. Ansonsten ist er nicht sehr gesprächig und so genießen wir einfach die schöne Landschaft des Parks. Etwas erstaunt sind wir allerdings als wir an einem Fluss ankommen und Fernando uns erklärt, dass wir da nun rüberschwimmen müssen um zum Wasserfall zu kommen – er nimmt unser Gepäck. Ok, stand so nicht im Reiseführer, aber wir haben nichts gegen ein kühles Bad einzuwenden. Die Kletterpartie danach zum Wasserfall ist allerdings nicht ganz ungefährlich, aber wir schaffen es unversehrt und nehmen auch hier noch ein kühles Bad im Planschbecken des Wasserfalls.

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Nach drei tollen Tagen in Baracoa sind wir fast am Ende unserer Kuba Reise angekommen. Ein ganzer Tag im Bus wartet auf uns: Die Rückfahrt nach Havanna.

Havanna

Dieses mal liegt unser Casa mitten im Zentrum Havannas und wie schon beim ersten mal gibt es auch hier bis auf das Frühstück keine Verpflegung. Wir genießen unsere letzten Tage in der Hauptstadt in vollen Zügen: gehen lecker Essen, trinken ausgiebig Mojitos und lernen wieder Leute aus Deutschland kennen mit denen wir zwei schöne Abende verbringen und sogar noch mit einem Oldtimer Cabrio fahren. Wir machen eine Fahrradtour mit einem Bici Taxi (Fahrradtaxi) vorbei an sämtlichen Sehenswürdigkeiten, kaufen Souvenirs und Postkarten für unsere Lieben zuhause und landen am Schluss auf dem kubanischen Schwarzmarkt für Zigarren in einem privaten Wohnzimmer. An unserem letzten Tag in Havanna lernen wir den Präsidenten des MZ Clubs von Kuba kennen – Fabian ist im 7. MZ Himmel 🙂 Bei einem letzten Mojito ist es dann Zeit Abschied zu nehmen…

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Unser Fazit:

Kuba – ein Land das uns gleichzeitig fasziniert und beschäftigt hat wie kein anderes. Auch nach vier Wochen in diesem Land konnten wir es nicht richtig greifen und verstehen, aber es ist auf jeden Fall eine Reise wert!

Auf der einen Seite gibt es den kubanischen Alltag oder den täglichen Kampf der „normalen“ Kubaner um alltägliche Dinge, die wieder mal nicht aufzutreiben sind. An einem Tag ist die Butter aus, dann das Toilettenpapier, mal die Zahnpasta. Allerdings bekommt man als Tourist hier kaum etwas davon mit, denn in der harten Währung CUC ist das meiste erhältlich, aber eben nur für die wenigsten erschwinglich. Was es aber immer zu kaufen gibt sind Pizza, Rum und Torten. Jedenfalls sieht man die Kubaner immer damit rumlaufen und es gibt unzählige Pizzastände und Bäckerein. Alles muss organisiert oder erstanden werden, fast nichts kann man einfach im Geschäft kaufen uns so sieht man oft riesige Schlangen vor irgendwelchen Läden stehen, wenn dann eben bestimmte Artikel im Angebot sind. Diese Mangelwirtschaft bringt zwei Symptome zum Vorschein: Zum einen fördert es die Solidarität der Kubaner. Familie, Freunde und Nachbarn unterstützen sich und helfen einander ohne auch nur darüber nachzudenken. Zum anderen fördert die Mangelwirtschaft den Schwarzmarkt. Da die meisten Menschen in ihrem Beruf nicht genug verdienen gehört es zum kubanischen Alltag Dinge aus dem staatlichen Betrieben (z.B. Zigarren) abzuzweigen und auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen um ihr Gehalt aufzubessern. Das Leben hier ist herzlich aber hart, solidarisch aber unfrei. Gerade Menschen mit einer guten Ausbildung, die etwas bewegen und verändern wollen und die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen fühlen sich vom Staat bevormundet.

Auf der anderen Seite gibt es die Touristenwelt. Die Haupteinnahmequelle von Kuba und daher wurde von der Politik auch angeordnet, dass Ressourcen bevorzugt den Touristen zur Verfügung gestellt werden sollen. Daher können Touristen gegen „harte“ Währung so gut wie alles bekommen und sich sogar on 4 Sterne All inclusive Resorts verwöhnen lassen. Da sich das Einkommen durch den Tourismus enorm steigert, bieten die Kubaner die es sich leisten können,  Zimmer oder Fahrten für Touristen an. Ihr Einkommen steigert sich enorm. Statt für wenig Geld im Monat zu arbeiten, stellt sich ein Arzt auch mal lieber an die Straße und versucht Leute in ein Restaurant zu quatschen. Statt zu studieren gehen die jungen Leute lieber auf Touristenfang für Salsaclubs, Bars und Touren. Diejenigen, die weiterhin ihrer Arbeit nachgehen sehen dies mit Argwohn und Missgunst. Die Moral gegenüber Touristen ist gefühlt niedrig. Viele Leute haben keine Skrupel einem Touristen mehr Geld als recht ist abzuknöpfen und auch uns ist dass das ein oder andere mal passiert. Es werden “versehentlich” falsche Münzen zurückgegeben, oder unverschämt hohe Preise für Taxifahren usw. genannt. Die Menschen in den Casas sind aber alle super freundlich – ehrlich oder weil man eben so sehr vom Tourismus abhängig ist – das können wir auch nach 4 Wochen nicht beantworten. Fest steht dass sich das Land gerade sehr verändert und noch mehr verändern wird.

Das berühmte kubanische Nachtleben haben wir leider nicht wirklich entdeckt. In den touristischen Bars wurde zwar viel Musik gespielt und getanzt aber wenn wir die Kubaner unter sich beobachteten, saßen die Älteren eher an Tischen und hörten Musik und die Teenies saßen häufig im Park oder am Malecon mit Rumflaschen oder sammelten sich in einer Discothek. Janet glaubte schon, dass in Kuba nur Salsa gespielt wird, wenn ein Touribus vorfährt. Tatsächlich hört man Salsa aber aus sehr vielen Hauseingängen und die Kubaner lieben ihre Musik wirklich… Tanzen sieht man sie aber eher abends auf der Straße als in einer Bar oder bei Livemusik in Cafes.

So schwer es war mit Kubanern ausserhalb der Casa Particular und des Tourismus ins Gespräch zu kommen, umso leichter lernten wir Reisende kennen mit denen wir auf einer Wellenlänge waren.

Die Natur und die Reise durch dieses Land die sich wie eine Reise in eine andere Zeit anfühlte hat uns aber supergut gefallen. Wo der Schlüssel dieses Zaubers für uns lag? – wir können es nicht genau sagen, am besten ihr findet es für euch selbst heraus.

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