Reisebericht Tonga: Träum dich mit mir auf die Insel

Angenommen du würdest morgen auf eine einsame Insel kommen, welche drei Dinge würdest du mitnehmen? Bitte denke kurz darüber nach und ich würde mich riesig über deine Antwort in Form eines Kommentars hier freuen.

Dank der lieben Familie von Taiana, bei der wir zusammen mit unseren Schweizer Freunden herrliche Tage in ihrer Unterkunft auf Uoleva, Tonga verbracht haben, (mehr dazu in Kürze) wurde unser „einsame Insel – Traum“ tatsächlich Wirklichkeit. Wie der Zufall es wollte, ist ein Onkel der Familie im Besitz einer etwas abgelegenen Insel, die nur ca. 8km von Uoleva entfernt wie ein kleines Paradies im pazifischen Ozean liegt. Vom Strand aus konnten wir bei strahlendem Sonnenschein unser Zuhause für die nächsten Tage schon aus der Ferne erspähen.

Blick auf die Insel

Blick auf die Insel

Wir konnten glücklicherweise mehr als 3 Dinge mit auf unsere einsame Insel nehmen.
Früh Morgens ging es mit dem Boot in die Stadt. Einkaufen stand auf dem Inselvorbereitungsplan.
Tja, aber was kauft man denn nun für das Abenteuer einsame Insel ein? Die Auswahl wurde uns relativ einfach gemacht, denn allzu viel gab der kleine Inselshop nicht her (ja, wir sind in der Stadt, aber immer noch auf einer Insel). Kekse, Chips, Konservendosen mit Nudeln in Tomatensoße, Gemüse… , Marmelade, frische Tomaten, Karotten und Knoblauch – das hält alles mehrere Tage, ausreichend Wasser für min. eine Woche, auch wenn wir nur 5 Tage bleiben, eine Machete, Besteck, Plastiksäcke falls es regnet. Dann noch eine tongaische Simkarte für Notfälle – auf der Insel gibt es nämlich scheinbar Handyempfang – wir sind also abgesichert!

Und was nimmt man sonst noch mit auf eine einsame Insel?

  • Zelt (Danke an Taiana´s Familie)
  • Plastikkiste für Lebensmittel (Danke an Taiana´s Familie)
  • Schnorchelmaske (Danke an Taiana´s Familie)
  • Kleidung (Badesachen, lange und kurze Hose, Tshirt, Fleecejacke)
  • Schlafsack
  • Bücher (Kindle sei dank – unglaublich wie viel wir gelesen haben)
  • Taschenmesser/ Multifunktionswerkzeug (das Swisstool hat hier ganze Dienste geleistet)
  • Feuerzeug, Streichhölzer
  • Antimückenschutz
  • Handy (auch für Fotos)
  • Reepschnur (als Wäscheleine und um sachen festzubinden)
  • Plastikschüssel oder Teller
Ab auf die Insel

Ab auf die Insel

Gegen Mittag gings dann endlich los, wir wurden per Boot auf unsere „einsame Insel“ übergesetzt. Natürlich wollten wir wissen ob es auf der Insel irgendwelche giftigen Tiere gibt. Finau lachte. Nein, eigentlich nicht. Obwohl, es gibt eine sehr giftige Wasserschlange, aber die ist wirklich sehr selten. Ihr Biss ist tödlich – man stirbt innerhalb von zwei Minuten. Aber macht euch keine Sorgen, sie schaute uns strahlend an und erwähnte diese etwas beunruhigende Info mehr in einem Nebensatz. WAS??? Giftige Schlangen, innerhalb von 2 Minuten stirbt man und wir sind auf einer abgelegenen Insel? Guter Scherz. Aber ok, nur nicht nervös werden – eigentlich hatten wir gelesen, dass es auf Tonga keine giftigen Tiere gibt und ausgerechnet uns wird diese Schlange schon nicht über den Weg laufen. Unsere nächste Frage war wesentlich harmloser. Wir wollten wissen ob „unsere“ Insel denn einen eigenen Namen hat – den hat sie tatsächlich und wir mussten lauthals Lachen – eine Insel mit einem schöneren Namen hätten wir uns kaum ausdenken können. Wörtlich übersetzt in etwa „ Kotzbaum Insel“ – natürlich gibt es eine wunderschöne Geschichte zu dieser Namenstaufe – diese gibt es auch in Kürze auf dem Blog zu lesen :-).
Da lag sie also vor uns, unsere kleine Insel Kotzbaum.

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Der Abschied ging ruckzuck. Nach dem Ausladen wurde uns noch kurz gezeigt wo wir am besten unser Zelt aufbauen (wegen der Flut),  Kokosnüsse und Papayas dürfen wir so viele ernten wie wir wollen und dann winke, winke! Wir waren allein auf unserer Insel. Ein saugeiles Gefühl! Wenn auch irgendwie ein bisschen unreal. Eine ganze Insel nur für uns! Voller Energie und Abenteuerlust wollten wir als erstes unser Zelt aufbauen. Nach dem wir alles schön ausgebreitet hatten, bemerkten wir, das die Zeltstangen fehlten. Schei…! Tja und dann schob sich aus dem Nichts auch noch eine fiese graue Wolke vor die vor noch wenigen Sekunden einwandfrei strahlende Sonne und es begann zu tröpfeln. Oh no! . Janet schien das alles gar nichts auszumachen. Sie erkundete voller Strahlen die kleine Insel während Fabian und ich fieberhaft darüber nachdachten wie wir das Zelt nun aufbauen sollten. Nach einigen Anweisungen meinerseits – ich bin handwerklich einfach überentlich begabt und dank Fabians kleinem Reisewerkzeugkoffer in dem sich unter anderem eine sehr brauchbare Schnur befindet stand das Zelt dann fast genauso gut wie mit Stangen. Hat eben nur etwas länger gedauert.

 

Unser Lager (und Feuerholz ist auch schon gesammelt)

Unser Lager (und Feuerholz ist auch schon gesammelt)

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Die erste selbstgeerntete Kokosnuss

Die erste selbstgeerntete Kokosnuss

 

Die nächsten Tage waren traumhaft. Vom Wellenrauschen einschlafen und aufwachen. Nichts geplant haben, keine Termine, kein Handy, kein Internet, keine Uhrzeit. Ins Meer gehen um sich zu waschen, in den weißen Pulversand legen um sich zu trocknen und die Sonne genießen, lesen, schnorcheln, um die Insel spazieren, lauthals singen, im Sand tanzen – keiner sieht einen, keiner hört einen – Freiheit.

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In ca. 20 Minuten ist man einmal um die kleine Insel marschiert. Auf der Suche nach Kokosnüssen und Papayas läuft man vorbei an unzähligen Krabben und Krebsen in ihren tollen, bunten Muschelhäuschen. Man nimmt sich plötzlich einfach die Zeit die kleinen Tierchen stundenlang zu beobachten. Man hat nichts anderes zu tun, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben einfach dazusitzen und stundenlang einem kleinen Krebs bei seinem treiben zu beobachten –herrlich!

Einsiedlerkrebs

Einsiedlerkrebs

Wie komme ich nur an die Kokosnuss?

Wie komme ich nur an die Kokosnuss?

Mittags gab es immer frische Kokosnuss. Manchmal lagen diese schon Erntebereit auf dem Boden – der Wind hat uns geholfen, gelegentlich mussten wir die Kokosnuss aber auch selbst irgendwie vom Baum bekommen. Einige hingen ziemlich in Reichweite – die waren kein Problem, andere haben wir versucht mit einer anderen Kokosnuss abzuwerfen oder mit einem langen Stock runterzuholen. Dafür braucht man ganz schön Ausdauer und danach muss die harte Nuss auch noch geöffnet werden. Bei der ersten hatte Fabian noch ganz schön zu kämpfen, von Tag zu Tag und Nuss zu Nuss wurde er aber ein richtiger Nussknacker (Machete sei dank).

Die Kokosnuss hat keine Chance

Die Kokosnuss hat keine Chance

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Feuerholz musste natürlich auch gesammelt werden. Erstens wurde es Abends durch den Wind direkt am Meer relativ kalt, 2. verscheuchte das Feuer aufdringliche Mücken und andere Krabbeltiere (außer Krabben, die lieben das Licht und die Wärme) und 3. und der wichtigste Punkt überhaupt wollten wir natürlich etwas essen. Da Abends das Wasser bedrohlich nahe an unser Camp herankam, war die Feuerstelle auch direkt vor unserem Zelt, eben gerade so, das sie nicht vom Wasser erreicht wurde. Janet schnippelte jeden Abend Tomaten, Karotten und Knoblauch, während Fabian sich um das Feuer kümmerte. Ich musste ja ein bisschen über diese klassische Rollenverteilung schmunzeln, fühlte mich schon fast wie eine Steinzeitente.
Die Dose Nudeln mit Tomatensoße wurde direkt ins Feuer gestellt – es lebe die Erfindung der Konservendose- und kurze Zeit später war das Essen fertig. Kurz in die Schüssel umgekippt, mit dem geschnittenen Gemüse vermischt –lecker!

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Essen ist gleich fertig :-)

Essen ist gleich fertig 🙂

Am ersten Abend staunten wir nicht schlecht, als sich plötzlich dutzende von Krabben um unsere Feuerstelle versammelten und immer näher kamen – ein grandioses Bild, auch wenn wir etwas Angst hatten, das sie sich am Feuer verbrennen – kamen doch schon sehr nahe.

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Der letzte Abend auf unserer Insel war ziemlich aufregend. Gerade als Fabian und ich Feuer machen wollte schweift Janets Blick zum Strand und im nächsten Moment schreit sie voller Panik „SCHLLAAANNGGGEEE“!!! Bevor Fabian noch Wo? fragen konnte sahen wir sie auch schon und mein ganzes Federkleid begann zu zittern. Die Schlange war für uns nicht Schlangenerfahrene riesig und kam direkt aus dem Wasser! Wie war das noch mit giftigen Wasserschlangen und in zwei Minuten ist man tot??? Hiiilfeeee! Ungläubig machen wir Fotos von der Schlange in der Hoffnung, dass sie sich einfach einen Weg in den Busch sucht – doch leider kommt sie direkt auf unser Zelt zu. Oh mein Gott, langsam stieg Panik auf und auch meine beiden Reisegefährten waren sichtlich angespannt. Mit einem Stock versuchten wir sie zu verjagen, klappte aber überhaupt nicht. Wir riefen bei Finau an – Emergency call- Fabian beschrieb die Schlange und scheinbar handelt es sich um das giftige Exemplar , wir sollen sie mit einem Stock vertreiben. So richtig beruhigend ist die Gewissheit dass das Vieh giftig ist ja nicht – eher überhaupt nicht. Es dauert eine Ewigkeit, bis sich die Schlange vertreiben lässt und wir sitzen an diesem Abend ziemlich unentspannt an unserem Lagerfeuer, ständig das Gefühl eine Schlange im Nacken zu haben. Wer sagt denn dass das die einzige Schlange hier ist? In der Nacht bekommt Fabian fast einen Herzkasper, als ihn eine Krabbe durchs Zelt in den Zeh zwickte. Oh man!!!

Plattschwanz Nattern Schlange

Plattschwanz Nattern Schlange

Der nächste Morgen empfängt uns aber wieder mit strahlendem Sonnenschein und die Schlange ist gaaaanz weit weg uns wir genießen unseren letzten Tag mit strahlendem Sonnenschein auf unserem Inselparadies.

Wilson hab ich hier auch getroffen ;-)

Wilson hab ich hier auch getroffen 😉

Gegen Abend werden wir wie vereinbart abgeholt. Aus dem Boot werfen wir einen letzten Blick auf unsere Insel, die immer weiter in die Ferne rückt. Die vier Tage sind wie immer viel zu schnell vergangen, aber wir werden sie nie vergessen unsere kleine Insel Kotzbaum!

Happy Inselbewohner :-)

Happy Inselbewohner 🙂

Und verratet ihr mir jetzt, welche drei Dinge ihr auf jeden Fall auf eine einsame Insel mitnehmt?

2 Gedanken zu „Reisebericht Tonga: Träum dich mit mir auf die Insel

  1. Martin

    Ich würde mitnehmen: Zelt, Feuerzeug und Taucherbrille(um im Meer zu tauchen 😀 )
    Ich wünsche euch noch viel Spaß auf eurer Weltreise

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