Reisebericht Indien – Wechselbad der Gefühle

Namaste – Ich grüße und ehre dich!

Was ist wohl fern, besitzt man Unternehmungslust,
und was zu schwer, ist man sich seiner Kraft bewusst! (Indisches Sprichwort)

Puhhhh war ich vor Indien aufgeregt! So viele haben mich gewarnt hier her zu reisen, kein anderes Land auf meiner Route sorgte für so viele Sorgenfalten auf den Gesichtern von Familie und Freunden….und schließlich sind hier Kühe heilig, keine Enten. Von dem Subkontinent hört man so viel und ich muss schon ehrlich sagen, es ist nicht immer Gutes. Menschen die in Müllbergen wohnen, bittere Armut in den Slums und am meisten Angst hatte ich ehrlich gesagt um meine Reisebegleiterin Janet, denn wir wurden oft davor gewarnt, das Frauen in Indien nichts wert sind. Sie war aber trotzdem total neugierig auf dieses Land und wollte unbedingt hier her und irgendwie hat sie Fabian und mich mal wieder angesteckt und schwupps sind wir mitten in Chennai – habt wahrscheinlich noch nie davon gehört – ist auch nur eine Großstadt mit 6 Millionen Einwohnern ;-).

Indien – ein riesiges Land mit ca. 1,2 Milliarden Einwohnern und über 4000 Jahre alter Geschichte mit vielen verschiedenen Religionen, Kulturen und Traditionen. Auf einer Reise durch Indien kommt man an zahlreichen heiligen hinduistischen Orten, Maharadscha Palästen und beeindruckenden Gebäuden der ehemaligen Kolonialherren vorbei. Eine Abwechslungsreiche Reise zwischen quirrligen Großstädten und hochreligiösen Traditionen, zwischen Armut und Reichtum, jahrtausende alter Bräuche und moderner Gegenwart.

All das ist Indien!

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Chennai

Indiens viertgrößte Stadt hat für Touristen gefühlt nicht wirklich viel zu bieten. Da wir hier aber gelandet sind haben wir uns entschlossen drei Tage hier zu verbringen um uns zu aklimatisieren. So viel sei schon mal verraten: Rückblickend würden wir Chennai wohl keinen Besuch mehr abstatten. Auf der anderen Seite ist es auch irgendwie typisch für Indien.

Es ist heiß, der Schweiß tritt uns aus jeder Pore, es ist stickig, unglaublich laut und schon nach wenigen Augenblicken ist klar: dieses Land ist geruchsintensiv! Man könnte auch sagen es stinkt. Am meisten mit Indien zu kämpfen hat wohl meine Nase – die Gerüche sind wirklich stark und meistens leider nicht besonders lecker. Irgendwie riecht die ganze Sechs-Millionen-Stadt Chennai wie eine riesige Kloschüssel – ein Urinnebel durchzieht die gesamte Stadt und darunter mischen sich die Düfte des Marktes nach Curry und Knoblauch. Und auch unsere Ohren bekommen einiges ab. Bis jetzt habe ich den Verkehr in Vietnam bestaunt, doch das ist nichts gegen eine indische Straße. Hiiilfe! Gefühlt bin ich hier täglich mehrfach in Lebensgefahr und zwar jedes Mal wenn wir eine Straße überqueren.

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Von der Freundlichkeit der Menschen bin ich stark beeindruckt. Sogar die Polizisten sind super nett. Ein Polizist hat uns einen Ryschkafahrer herangewunken und dafür gesorgt das dieser uns mit Taxometer fährt, der nächste Polizist hat extra sein Motorrad abgestellt und uns sicher über die Straße geleitet. Bei jedem unserer Spaziergänge begegnen uns Menschen die einfach nur wissen wollen wie es uns geht und wo wir herkommen. Neugierig, intressiert – ohne uns etwas verkaufen zu wollen.

Wirklich empfehlenswert ist ein Spaziergang durch Georgetown – die Altstadt von Chennai – willkommen im indischen Chaos! Lebendige Gassen, geschäftiges Markttreiben und Verkehrschaos pur – ich liebe es hier durch zu spazieren, auch wenn man die Luft manchmal anhalten muss und uns alle anschauen als wären wir Aliens – allzu viele Touristen verirren sich nicht nach Chennai und so sind wir mal wieder eine kleine Attraktion.

Bananenverkäuferin in Georgetown

Bananenverkäuferin in Georgetown

Straßenmomente Chennai

Straßenmomente Chennai

In indischen Städten begegnet man aber nicht nur vielen Menschen, sondern auch vielen Kühen. Überall ist das hier heilige Tier anzutreffen und wir waren erfreut zu sehen, dass diese wirklich gut behandelt wurden und auch die Straßenhunde in Indien machen einen sehr zufriedenen Eindruck.

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Der Lärm und die Gerüche in so einer indischen Großstadt sind aber wirklich sehr anstrengend. Daher habe ich nach einer etwas ruhigeren und ländlicheren Gegend gesucht und bin dabei im Internet auf einen sehr schönen Reisebericht über Hampi gestoßen. Da soll es total ruhig sein, man kann in einer Hütte am Reisfeld wohnen und indische Natur pur erleben. Janet und Fabian sind von meinen Erzählungen begeistert unser nächstes Ziel ist also Hampi. Aber wie kommen wir dahin?

Eines der besten und sichersten indischen Reisemittel ist der Zug. Von den Bussen wird Touristen eher abgeraten – gibt es hier auf den Straßen doch täglich um die 100 Verkehrstote – wundern tut mich das bei diesem Verkehr und dem agressiven Fahrstil ja überhaupt nicht! Also mit dem Zug. Im Internet haben wir schon mal herausgefunden, das es keine direkte Verbindung von Chennai nach Hampi gibt. Wir müssen zunächst nach Guntakal, umsteigen und mit einem weiteren Zug nach Hospet, dort dann mit einer Rikscha zum Fluss und mit einem Boot zu unserer Unterkunft “Bobby one Love” übersetzten. Wir werden also 24 h unterwegs sein. Was für ein riesiges Land! Da man wegen den vielen Menschen Zugtickets in Indien immer weit im Voraus oder mindestens zwei Tage vorher (mit einer speziellen Quote) buchen muss, machen wir uns sofort auf den Weg zum Bahnhof. Leider ist Sonntag – kurz vor 14 Uhr und der Bahnhofsmitarbeiter schickt uns nach kurzem Blick in seinen Computer und der Bemerkung – es ist alles ausgebucht aber Morgen kann es ein Kollege arrangieren – weg,  mit der Aufforderung morgen um 8.30 Uhr wieder zu kommen. Ok – uns bleibt ja nichts anderes übrig. Am Bahnhof gibt es eine super leckere indische Bäckerei. Wir bestellen sämtliche Kekse und probieren uns durch – sehr süß, aber auch sehr lecker.

Bahnhof von Chennai

Bahnhof von Chennai

8.30 Uhr am nächsten Morgen – es ist wohl kein Touristenkontigent „Tourist Quota“ mehr frei, aber gegen einen Aufpreis können wir über ein Last-Minute-Kontigent „Tatkal“ Schlafplätze in der 2. Klasse (mit Klimaanlage) buchen. Zum Buchen der Tickets benötigen wir allerdings Kopien unserer Ausweise und zwar bis 10 Uhr. Da es am Bahnhof keinen Kopierer gibt schickt uns der Beamte mit einer wagen Wegbeschreibung “raus und dann rechts” und ermahnt uns nochmals bis 10 Uhr zurück zu sein. Wir laufen an nach Fäkalien stinkenden Bahnhofswänden vorbei, kommen an Geldautomaten vorbei die dem Geruch zur Folge definitiv als Urinale verwendet werden und sind schon nach wenigen Metern klatschnass geschwitzt. Wir fragen uns mehrfach durch, laufen kreuz und quer bis wir endlich unsere Kopien in den Händen halten und damit wenige Minuten später auch unsere Zugtickets, yeah! Alles in allem ist das komplexe System sehr gut durchdacht und optimiert, freundliche Bahnmitarbeiter sind allerdings sehr sehr hilfreich.

Hier gibt es eine Übersicht zu den indischen Zugsystemen oder auch bei seat61.com.

Der Zug sieht viel besser aus als erwartet. Wir haben eine 4-Personen-Kabine die man sogar mit einem Vorhang zuziehen kann. Die beiden Männer die mit uns im Abteil sind verwickeln uns gleich in ein Gespräch und unglaublicherweise haben sie sich für einen gewöhnlichen Geschäftstermin eine Zugfahrt von über 24 h angetan – würde in Deutschland wohl keiner tun, ist hier aber ganz normal, da fliegen für die meisten viel zu teuer ist. Zu später Stunde wird Janet dann gebeten das Abteil kurz zu verlassen – die Männer wollen sich umziehen. Tatsächlich haben wir im Zug ganz gut geschlafen und es gab sogar eine westliche Toilette.

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Hampi – willkommen in Hippie Paradies

Ein Rikschafahrer beteuert uns bei Ankunft in Hospet, dass es noch ein Boot gibt das uns zur gewünschten Unterkunft fährt – also mit den Rucksäcken reingequetscht und zum Fluss gefahren. Unsere Unterkunft liegt nämlich auf der anderen Seite des Flusses, dort soll es nochmal viel ruhiger sein. Tatsächlich gibt es noch ein Boot – und zwar in Form von einem fahrenden Weidekorb wie wir sie auch schon in Vietnam gesehen hatten – oja, damit wollte ich schon immer mal fahren.

Mit dem Korbboot setzen wir zur anderen Seite über

Mit dem Korbboot setzen wir zur anderen Seite über

Aber ob das uns alle aushält? Im Fluss soll es nämlich Krokodile geben, ein Bad wäre also eher unschön und es wollen nämlich noch mehr Touristen mit – jep, Touristen! Haben wir die vergangenen Tage in Chennai überhaupt keine Ausländer gesehen, scheint hier eine Art Massentourismus zu herrschen. In unserer Unterkunft trifft mich ehrlich gesagt erst Mal der Schlag: Es wimmelt tatsächlich von Touristen und zwar einem ganz bestimmten Schlag: Hippies. Ja ja, ich weiß, ihr denkt jetzt bestimmt das hätte man sich bei dem Namen „Bobby one Love“ vielleicht auch denken können und jep ich muss euch recht geben, haben wir aber nicht. Und falls das ein Hippie lessen sollte – ich habe nichts gegen euch – nein wirklich, jedem das seine und Love&Peace ist eine tolle Weltanschauung – ich selbst hingegen bin eher ein Happy und kein Hippie. 🙂

Welcome to Hampi

Welcome to Hampi

Hampi ist eine Mischung aus wahrgewordenem Hippie Paradies und Backpackertraum

Ein kleines schnuckliges Dorf, mit Restaurants, Gästehäusern, kleinen Läden, Yogaunterricht an jeder Ecke und Bars…viel mehr gibt es hier nicht, mehr braucht man hier aber auch nicht. Ein totales Kontrastprogramm zur indischen Großstadt.

Hampi

Hampi

Trotzdem oder gerade deshalb – wer kann das schon genau sagen, haben wir uns hier unglaublich wohl gefühlt. Die Landschaft um den Fluss mit ihren saftig grünen Reisfeldern, Palmen und riesigen Steinen die dem ganzen einen touch Steinzeitfeeling verleihen und dazwischen gigantische Tempelanlagen ist einfach atemberaubend und das Leben hier unglaublich gelassen – auch meine Nase fühlt sich hier sehr wohl – es riecht nach Natur, naja und ab und zu nach Marijuana.

Die Reise durch Indien gleicht mal wieder einer Zeitreise. Oft scheint es für uns hier als wäre die Zeit irgendwann einfach stehen geblieben. Man sieht Frauen und Männer die auf alten Holzhandwagen Obst und Gemüse verkaufen, Holz und Wasser werden in großen Gefäßen auf dem Kopf balanciert, die Wäsche wird im Fluss gewaschen und mit Kohlebügeleisen gebügelt. In den ländlichen Regionen wie hier um Hospet sieht man Kinder die Schaf- und Ziegenherden vorantreiben, auf den vielen Feldern pflanzen Frauen in mühevoller Arbeit den Reis von Hand ein, während nebenan ein Ochse das nächste Feld umpflügt. Die Luft ist von einem giftigen Rauchschleier durchzogen, denn neben an wird mal wieder Müll verbrannt – auf uns wirkt das alles wie aus einer längst vergangenen Zeit…Ebenso die sozialen Normen. Frauen müssen sich züchtig kleiden, sind für den Haushalt zuständig und üben nur selten einen Beruf aus. Die Frauen- und Männerwelt ist streng getrennt und nur selten sieht man auch Frauen in Restaurants oder Cafes sitzen. Gleichzeitig sieht man in den Städten aber fast jeden Inder mit einem Smartphone durch die Stadt laufen, Autos, indische Liebespaare die Händchen haltend durch die Stadt bummeln…Ein Gegensatz zwischen uralten Traditionen und Ultramoderne.

Da der Zug von Hospet nach Mumbai für die nächsten Tage komplett ausgebucht ist entscheiden wir uns es doch mal mit dem Nachtbus zu versuchen und sind absolut positiv überrascht – unsere luxeriöseste Busreise der ganzen Weltreise und das in Indien. Wir haben ein Doppelbett mit riesigem Fernseher und es gibt sogar Strom. Nur das mit der Toilette ist leider so eine Sache – es gibt nur sehr wenige Pausen und in der Nacht überhaupt keine.

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Mumbai

Über Mumbai hängt eine unglaubliche Hitze – wenn ich nur an diese Stadt denke beginne ich zu schwitzen. Genau wie in Chennai habe ich hier wieder erwartet in einer riesigen, stinkenden Stadt zu landen – aber Fehlanzeige. Zwar gibt es einige Ecken die nicht gerade angenehm riechen und auch hier flimmert ein leichter Smogvorhang durch die Luft, aber kein Vergleich – es stinkt also nicht in jeder indischen Stadt bestialisch. Das einzige an was ich mich nie gewohnen werde ist dieses GEHUPE! Das macht mich richtig agro. Huuuup, Huuuuuuup, Huuuuuuuuuup! Woah!

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Viel Sightseeing haben wir während unserer zwei Tage in Mumbai nicht gemacht – aber natürlich trotzdem einige Eindrücke gesammelt.

Bahnhofsgebäude in Mumbai

Bahnhofsgebäude in Mumbai

Mumbai hat einen eigenen Stadtstrand – den Chowpatti Beach an dem Nachmittags gerne Jugendliche und Liebespaare verweilen und etwas Abkühlung suchen.

Chowpatti Beach Mumbai

Chowpatti Beach Mumbai

Die Stadt hat uns allerdings nicht besonders gut gefallen und wir haben uns auf unserer Weiterreise nach Udaipur gefreut.

Ursprünglich wollten wir mit dem Zug von Mumbai aus weiter nach Udaipur fahren. Laut unserem Hoteitarbeiter waren jedoch auch hier keine Plätze mehr frei und da wir spätestens am Donnerstag weiterreisen wollten bleibt mal wieder nur der Nachtbus. Auch dieses Mal war der Bus top – fand es selbst sogar besser als im Zug.

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Udaipur –  wunderschönes Rajasthan

so fantastisch bunt ist Indien!

Bis jetzt haben mir die prächtigen Farben an die man bei Indien denkt etwas gefehlt. Zwar tragen die Frauen wunderschöne bunte Saris, aber das wars dann auch schon. Ganz anders hier in Udaipur – hier gibt es sie die schillernde, farbenfrohe Kultur an die jeder bei Indien denkt.  Zwar sind die Häuserversaden hier auch alt, grau und renoviereungsbeedürftig, aber auf den meisten Häusern befinden sich bunte Gemälde meist mit Elefanten, Pferden oder Kamelen. Der Elefant steht in Indien für das Glück, das Pferd für die Kraft und das Kamel für die Liebe.

Hier treffen wir wieder auf sehr viele Touristen – das kleine romantische Städtchen hat Charme, tolle Gästehäuser und Restaurants und trotzdem kann man hier das indische Leben auf den Straßen und in den vielen kleinen Seitengassen erleben. Wir haben eine ganze Woche hier verbracht und eigentlich wollten wir auch gar nicht so richtig weg. Es ist schön hier!

Eine der schönsten Städte Indiens mit einem zauberhaften Mix aus Altstadt, indischen Palästen, Seen, Tourismus  und das alles umgeben von einer beeindruckenden Berglandschaft.Udaipur lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Während die Hauptstraße von Souvenirshops und Händlern belagert wird, sind die Seitengassen  Indien pur!

Seitangasse in Udaipur

Seitangasse in Udaipur

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Auch für Sightseeing Freunde hat Udaipur einiges zu bieten: Die Top 8 der Sehenswürdigkeiten

Bootstour auf dem Pichola See

Bootstour auf dem Pichola See

Ich liebe Schnappschüsse

Ich liebe Schnappschüsse

Sehr schmunzeln mussten wir als wir in einem Restaurant das Schild „Octopussy Movie – every evening“ lesen. Als James Bond Fan hat mich natürlich gleich interessiert was es damit auf sich hat: Ein Teil des Filmes wurde 1983 hier in Udaipur gedreht – darauf sind sie hier total stolz und in verschiedenen Restaurants läuft seid über 20 Jahren jeden Abend Octopussy – unglaublich! Klar, das wir den hier auch schauen müssen. Wir staunen auch nicht schlecht, wie wenig sich seit dem Filmdreh hier verändert hat – nur der Verkehr ist wohl etwas mehr geworden.

Udaipur hat alles zu bieten was einem Toursiten das Reisen einfach macht und dabei trotzdem eine wundervoll authentische indische Ader!

Wäsche waschen im Fluss

Wäsche waschen im Fluss

Übernachtung: Mewargarh Palace

Da wir weit genug im Voraus gebucht haben geht die Reise dieses Mal mit dem Zug weiter – ist von Udaipur die beste Verbindung um nach Agra zu kommen.

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Agra – Heimat des Taj Mahal

Ohne die imposanten Gebäude wie das Taj Mahal oder das Agra Fort wäre Agra wohl nicht unbedingt auf unserer Route gewesen. Das Taj Mahal zieht jedoch jährlich Millionen von Besuchern –  Touristen und Einheimische gleichermaßen –  an.

Es gibt sie – Gebäude die die ganze Welt kennt. Die unzählige Postkarten zieren und die man beim Augen schließen deutlich vor sich sieht, auch wenn man noch nie dort war und  sonst nichts von dem Land weiß in dem sie stehen. Eines dieser Gebäude ist unbestritten das Taj Mahal – ein aus Marmor erschaffener Traum – ein Monument der Liebe!

Als Liebesbeweis ließ Shah Jahan im 17. Jahrhundert nach dem Tod seiner Herzensdame Mumtaz Mahal dieses gigantische Grabmal errichten.

Ehrlich gesagt bin ich nicht gerade mit dem alten Steinbazillus infiziert und trotzdem beim betreten dieses Gebäudes bleibt mir die Luft weg und als ich den ersten Blick durch den Torbogen werfe und das Taj Mahal erblicke, rollt leise, still und heimlich eine Träne über meine Wangen – magisch, einfach magisch!

Taj Mahal

Taj Mahal

Wuhuuuuuuu – ich bin wirklich hier! Unglaublich was ein Gebäude in einem auslösen kann, aber es ist der absolute Wahnsinn. Der Höhepunkt einer jeden Indienrundreise!

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Aber wie kommt man hier eigentlich her?

Zunächst einmal müsst ihr nach Agra. Die 1,6 Millionen Stadt – für indische Verhältnisse also eine Kleinstadt liegt im Norden Indiens und eigentlich werden überall in Indien Touren nach Agra angeboten.

Wichtigste Infos:

  • Freitags hat das Taj Mahal geschlossen!
  • Am Tag eures Besuches solltet ihr früh aufbrechen damit ihr den Sonnenaufgang und damit das einmalige Licht über diesem magischen Ort genießen könnt ( am besten gegen halb sechs am Office sein.)
  • Achtung: Die Tickets gibt es nicht direkt am Taj Mahal sondern in einem Büro etwa 500 Meter vor dem Haupteingang
  • Das Ticketoffice macht um 6 Uhr auf. Da aber täglich viele Besucher das Taj Mahal aufsuchen lohnt es sich in der Schlange weit vorne zu stehen.
  • Es ist nicht erlaubt irgendwelche Gegenstände außer einer Kamera und dem Handy mit ins Taj Mahal zu nehmen – wir mussten diese draussen in einem Kiosk abgeben.
  • Es gibt eine getrennte Ansteh-schlange für Männer und Frauen

Agra hat aber außer dem Taj Mahal noch weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten. Wir haben eine Tagestour mit einem Rikschafahrer gebucht, der uns nach und nach zu den verschiedenen Highlights gefahren hat. Nur zwei Kilometer vom Taj Mahal entfernt liegt das Agra Fort das mit seinen riesigen Sandstein Mauern absolut beeindruckend ist und man den ganzen Tag mit einem Spaziergang durch das riesige Gelände in dem sich ein Palast, ein Weingarten und mehrere Türme – von denen aus man in der Ferne das Taj Mahal sieht – befinden.

Agra Fort

Agra Fort

Indische Streifenhörnchen im Garten des Agra Fort

Indische Streifenhörnchen im Garten des Agra Fort

Danach haben wir dem kleinen Mausoleum Itimad-ud-Daula – das hier liebevoll als „Baby Taj Mahal“ bezeichnet wird einen Besuch abgestattet und zum Schluss  waren wir noch im Mondgarten von dem aus man einen wundervollen Blick auf die Rückseite des Taj Mahals hat.

"Baby Taj Mahal"

„Baby Taj Mahal“

Von Agra fahren wir mit dem Bus ins ca. 200 km entfernte Delhi. Hier mussten wir nichts vorbuchen sondern sind einfach zum Busbahnhof und in einen local Bus eingestiegen.

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Delhi – Hauptstadt

Leider haben wir hier nur einen Tag Zeit bevor unser Flug nach Sri Lanka geht. Viel zu wenig wie wir feststellen müssen. Den meisten Leuten gefällt Mumbai meist viel besser, doch auf uns hat Delhi mal wieder diese Wirkung – hier gefällt es uns, dich würden wir gerne noch mehr erkunden. Doch ausser einem Spaziergang durch die verwinkelten Marktstraßen und nochmal dem ausgiebigen Genuss leckeren indischen Essens haben wir leider keine Zeit. Vielleicht gibt es ja ein nächstes Mal 😉

Blick auf einen Marktplatz in Delhi

Blick auf einen Marktplatz in Delhi

Momente einer Indienreise:

Kulinarisch ein absolutes Highlight

Wenn man Curry mag – dann ist man in Indien in einem wahren Essenstraum gelandet! Ist das alles lecker!!! Und nirgends war es so einfach als Vegetarier nach Herzenslust zu schlemmen. Ungefähr 40 % der indischen Bevölkerung ernähren sich vegetarisch und das Angebot an vegetarischen Speisen ist riesig.

Armut in Indien

Obwohl wir auf unseren Reisen schon viel gesehen haben, hatten wir vor Indien Respekt und auch etwas Angst davor welche Gefühle dieses Land in uns auslösen würde. Auf Reisen durch die Länder unserer Erde wird man immer wieder mit Armut konfrontiert, ein Thema das bewegt, erschüttert, einen verzweifeln lässt und trotzdem auch irgendwie fasziniert. Man hat Mitleid mit der Bettlerin auf der Straße, die ihr abgemagertes Kind stundenlang durch die Gassen trägt in der Hoffnung auf etwas Geld, man kann den Blick nicht abwenden von den vielen zusammengewürfelten und wild zusammengenagelten Hütten die als Slum bezeichnet in so vielen Ländern die Heimat zahlreicher Menschen sind, man fühlt sich schlecht dabei einen Cocktail zu trinken, der so viel kostet wie eine solche Familie im Monat nicht verdient (ca. 44 % der Inder leben von weniger als 1 US$ pro Tag) und versteht die Ungerechtigkeit der Welt nicht, warum wir so im Überfluss leben und andere nichts haben. Und trotzdem gewöhnt man sich daran, irgendwie. Indien hat mich daher nicht mehr geschockt als die vielen anderen Länder die wir besucht haben. Als Reisende lebt man in den meisten Ländern mit der Mittelschicht – man sieht zwar die Armut, kommt aber kaum mit ihr in Berührung, man weiß das sie da ist und trotzdem rückt dieses Bewusstsein während der Reise in den Hintergrund. Ein sehr schwieriges Thema, das ich definitiv von der Reise mitgenommen habe und mehr denn je weiß wie glücklich ich mich schätzen kann. Eine tolle Seite über die Situation in Indien gibt es hier: Armut in Indien und einen tollen Artikel einer Bloggerkollegin zum Thema Begegnung mit der Armut gibt es hier: Slums of Manila

Das man Kindern die auf der Straße betteln kein Geld geben soll ist bekannt, denn damit verschlimmert man die Situation und immer mehr Kinder werden auf Touristen abgerichtet anstatt die Schule zu besuchen. Aber natürlich kann man nicht einfach wegschauen wenn ein abgemagertes Kind um ein paar Münzen bittet, Wir haben meist Kekse oder Gebäck gekauft und zum Schluss auch unsere Kleidung, Seife usw. gespendet die wie nicht mehr brauchten.

Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. (Indisches Sprichwort)

Fazit:

Indien ist ein Land der Gegensätze – schillernde Farben und Bollywoodflair gemischt mit bitterster Armut. Aber es hat uns ehrlich gesagt weder so geschockt wie befürchtet , noch hat es uns so fasziniert wie erwartet. Liegt aber sicherlich daran, das uns die vielen Eindrücke die man in so einem Land bekommt nach einem Jahr auf Reisen durch viele unterschiedliche Länder schon gewohnt ist. Das Reisen war dank englischsprachiger Kommunikation und gut ausgebautem Streckennetz viel einfacher als erwartet. Durch die riesigen Strecken die wir innerhalb von vier Wochen zurückgelegt haben aber super anstrengend. Von den Menschen war ich sehr positiv überrascht, wie offen und neugierig sie sind. Zumindest mit Fabian haben sie sich gerne unterhalten. Janet hat schon öfter zu spüren bekommen, das Frau sein hier einen anderen Stellenwert hat und oft wurde gar nicht mit ihr geredet – aber auch hier gibt es positive Beispiele die auch zeigen, das sich die jüngere Generation langsam ändert. Besonders gefallen hat mir wie authentisch Indien geblieben ist. Trotz westlichen Einflusses – Indien ist und bleibt Indien. Noch immer tragen 95 % der Frauen ihre wunderschönen bunten Saris und auch das rote Auge zwischen der Stirn gegen böse Blicke ist auf den meisten Gesichtern zu finden. Es war kein Highlight unserer Weltreise, hat uns irgendwie nicht wirklich tiefgründig berührt – aber Indien hat wunderschöne Orte, wie Hampi, oder Udaipur und natürlich ist allein schon das Taj Mahal wert eine Reise nach Indien auf sich zu nehmen! Und das Essen war tatsächlich das Beste der ganzen Weltreise!

„Wer einmal nicht nur mit den Augen, sondern mit der Seele in Indien gewesen ist, dem bleibt es ein Heimwehland.“ (Hermann Hesse)

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Das Dschungelbuch spielt in Indien:

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