Beerdigung mal anders

Jeeeiiii sind wir heute müde! Haben in der Nacht kein Auge zugemacht. Woran das lag? Neben unserem Zimmer wird momentan eine Beerdigung gefeiert. Gefeiert? Ohjaaaaa und wie!!! Hier sind Beerdigungen ganz anders als bei uns. Einiges daran ist toll, einiges abgefahren, einiges aber auch erschreckend und für uns nur schwer verständlich. Hier in Have wurde uns erzählt: Wenn z.B. Der Ehemann stirbt, wird die Frau zur Trauer 3 Tage in einem Zimmer eingesperrt (und überwacht). Sie darf ihr Zimmer meistens nicht verlassen, muss also auch im Zimmer (ohne Toilette) aufs Klo und ein bisschen essen wird ihr gebracht. Um die Kinder kümmert sich meist dann die Mutter/ Schwiegermutter/ Schwester. Ab dem Todestag wird schwarz getragen. Die eigentliche Beerdigung läuft für Männer und Frauen nach dem gleichen Ritual ab: Je nach dem, wie viel Geld die Familie des verstorbenen hat, kann es auch schon mal ein Jahr dauern bis der Tote begraben wird. Mehrere Monate dauert es wohl meistens. Beerdigungen sind hier richtig teuer. Es wird nämlich ein riesen Spektakel veranstaltet. Um so größer und teurer, umso beliebter, angesehen, mächtiger war der Mensch. Auch das Alter spielt dabei eine Rolle. Die Familien der Toten verschulden sich meist imens um für ihre Angehörigen einen „würdigen“ Abschied veranstalten zu können. Die „Party“ dauert drei Tage, von Freitag bis Sonntag manchmal sogar eine Woche ( umso mächtiger, wichtiger, beliebter…). Auch in der Anzahl der Gäste kann man das Ansehen des verstorbenen erkennen- es ist also jeder willkommen. Jede Familie ist bemüht ein richtiges Spektakel zu veranstalten um ihr Gesicht und ihr Ansehen in der Gemeinde zu wahren. Beerdigungsfarben sind schwarz und rot. Entsprechend werden Kleider getragen, Häuser dekoriert, Autos geschmückt…es gibt Paraden die mit Trommeln und Trompeten durch die Straßen laufen, Autos die mit Megaphonen die Beerdigung kund tun, Meldungen im Radio, Zeitungen, Fernsehen (je nach dem wie viel Geld die Familie hat), es wird eine „Location“ gemietet (meist ein Pavillion mit hunderten von Plastikstühlen), für die Feier werden riesen Plakate der Verstorbenen gedruckt und aufgestellt, Essen für hunderte von Gästeb muss gekocht und bezahlt werden (oft wird hier eine Art Catering Service beauftragt) und auch für die Unterbringung der Familie muss gesorgt werden, da viele Familienmitglieder oft von weit her anreisen. Es wird Tag und Nacht gebetet, getanzt und gesungen und zwar richtig laut (vllt.auch hier umso lauter umso beliebter) und das ganze drei Tage lang, wow!

Ablauf:

Freitag: Totenwache. Die Familie holt den verstorbenen aus der Kühlhalle ab und überführt ihn mit einer Parade aus Trommeln und Trompeten in dessen Heimatdorf. Es wird die ganze Nacht zu Ehren des verstorbenen gesungen und getanzt.

Samstag:

Beerdigungen finden meist draussen statt. Es werden Pavillions aufgestellt mit unzählbaren Plastikstühlen und alles in schwarz rot dekoriert. Der Leichnam wird hübsch gemacht und in ein Zimmer gelegt, damit sich die Familie nochmal verabschieden kann. Es wird auch viel geweint und getrauert, dazu aber auch getanzt, getrommelt und gesungen.
Man feiert hier das Leben des verstorbenen.

Sehr ähnlich wie bei uns sind Beileidsbekundungen. Jeder Gast spricht den Familienangehörigen ihr Beileid aus und bringt meist etwas Geld und / oder ein Grabgesteck aus Plastik (siehe Foto) als Geschenk mit.

Es gibt einen mehrere stundenlangen Gottesdienst mit Predigt, Gesang, Tanz und die Lebensgeschichte des verstorbenen wird von der Familie erzählt.
Am Nachmittag findet das Begräbnis statt. Meist nur mit Familie und engen Freunden. Der Leichnahm wird im Holzsarg zum Friedhof der Gemeinde gebracht. Dies geschieht auch in Ruhe und tiefer Trauer. Der Pfarrer predigt, es wird gebetet und sich ein letztes mal verabschiedet. Gräber werden in Ghana nicht bepflanzt sondern mit Plastikherzen dekoriert und die Friedhöfe sind oft verwildert, da es keine Grabpflege gibt.

Sonntag

Es findet ein weiterer stundenlanger Gottesdienst zum Gedenken an den Toten statt. Es wird gegessen, gesungen und getanzt. Der Tote wurde an die Ahnen überführt. Ghana hat eine sehr starke Ahnenkultur. Diese stellen die Verbindung zwischen den Menschen und Gott dar. Jedoch sind die Aussagen der Menschen hierzu sehr unterschiedlich, da es hier viele Glaubensrichtungen- auch Naturreligionen gibt, die in Frieden miteinander leben.

Witwen müssen nach der Beerdigung min. 3 Monate schwarz tragen und dürfen nicht arbeiten (müssen trauern). Das ist sehr hart für viele Frauen, wie uns erzählt wurde, da sie Geld zum Leben brauchen und oft auch ihr Job weg ist, da dieser zwischenzeitlich neu besetzt wurde. Diese 3 Monate wird die Frau ebenfalls überwacht. Manchmal sogar für ein Jahr. Die Familie des Mannes entscheidet, wann genug getrauert wurde. Wir hatten auch schon die Ehre für eine kurze Zeit einer solchen Beerdigung beizuwohnen. Auf Plastikstühlen sitzend durften wir zuschauen, wie gesungen und getanzt wurde und waren wirklich fasziniert von dieser Beerdigungskultur.

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3 Gedanken zu „Beerdigung mal anders

  1. Helga

    Danke für die Erfahrung! In jeder Gegend gibt es unterschiedliche Traditionen zur Beerdigung. Bekannt sind besonders die die Kleidung betreffen und die, die den Verabschied von dem Toten betreffen. Bei uns ist z.B. die Erdbestattung weit verbreitet, in Indien dagegen die Feuerbestattung https://www.bestattungen-heidenreich.de/leistungen . Aber alle diese Traditionen verunschaulichen im Grunde das, dass der tote Körper seine Ruhe in dieser Welt finden muss. Ganz sinnvoll! Danke!

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  2. Louise

    Das ist sicher aufregend, wenn man das mal aus einer anderen Perspektive mitbekommt. Ich wollte bei der Bestattung mal Vorsorgen und etwas anderes als Kuchen und Schmalzstulle. Allerdings ist es gar nicht so einfach andere Gerichte zu finden.

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  3. Kyra

    In anderen Kulturen wird eben oftmals viel ausgelassener gefeiert, als bei uns. Das gilt dann auch für Bestattungen, man kann diese ja aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Was ich allerdings nicht gut finde, ist, dass die Witwen in ihren Häusern eingesperrt werden.

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