Reisebericht China – Abenteuer einer anderen Art

Wie viele Chinareisenden haben auch wir zunächst einige Tage zum „Aufwärmen“ in Hongkong verbracht. Das benötigte Visa für China haben wir problemlos vor Ort von Hongkong aus beantragt – 4 Tage hat es gedauert und ca. 60€ pro Person gekostet – dann stand unserer Chinaeinreise nichts mehr im Weg (von Deutschland aus ist der Visaprozess mittlerweile wohl etwas komplizierter). Wir sind von Hongkong aus mit der Metro nach Lo Wu gefahren und haben dort die Grenze nach Shenzhen zu Fuß überquert. Wenn man eine Grenze zu Fuß überschreitet merkt man den Unterschied zu einem Land gleich irgendwie viel intensiver – so ging es uns auch mit China. Kaum haben wir die Grenze überschritten spricht kein Mensch mehr Englisch, alles wirkt noch viel lauter und hektischer – da ist es wieder, das Chaos exotischer Länder. Von Shenzhen ging es dann mit dem Zug weiter nach Guangzhou, wo wir eine Nacht verbrachten um dann unsere erste richtige China-Reise mit dem Nachtbus nach Guilin anzutreten. Zusammen mit vielen Einheimischen quetschen wir uns in die kleinen Boxen, die uns als Schlaflager für die Nacht dienten. IMG_5143

Guilin:

Guilin das mit der Bezeichnung „die Feinste unter dem Himmel“ oder „Stadt des Duftblütenwaldes“ übersetzt wird ist bekannt für seine wunderschöne Landschaft umschlossen von grünen Bergen und dem Li Fluß.

Angler auf dem Li Fluss

Angler auf dem Li Fluss

Karstberge Guilin

Karstberge Guilin

Guilin

Guilin

IMG_5209 In Guilin ist es im September allerdings verdammt warm *schwitz* und für viel mehr als ausgiebige Spaziergänge sind wir nicht zu haben. Alle Versuche uns auf irgendwelche Schiffe, in Tempel oder Hölen zu locken scheitern. Wir genießen das süße Nichtstun und der Fluss ist der schönste Platz um Menschen zu beobachten. IMG_5471Mit dem Zug im Schlafwagen sind wir anschließend von Guilin nach Chengdu gereist. 27 Stunden die sehr anstrengend und vor allem für meine Reisegefährtin Janet blanker Horror waren. Wir haben uns für Hardsleeper entschieden und zusammen mit 4 Chinesen haben wir uns ein Abteil mit insgesamt 6 Betten geteilt. Da unser Abteil direkt am Wagenausgang war, in dem Rauchen erlaubt ist, hat leider das ganze Abteil nach Zigarettenrauch gestunken. Richtig sauber war es leider auch nicht – wir konnten noch nicht mal aus den Fenstern schauen, so dreckig waren diese. Nachts wurde geschnarcht was da Zeug hielt und die Klimaanlage natürlich volle Pulle aufgedreht – Janet war am nächsten Tag etwas lädiert (leider darf ich das Foto nicht veröffentlichen) –  und ich, hab mich zum Schlafen ganz tief unter der Decke versteckt. Fabian fand die Reise allerdings super. Er konnte gut schlafen und hat es genossen die Zeit mit Lesen, Musik/ Hörbuch hören, Essen oder einfach aus dem Fenster gucken zu verbringen. Seiner Meinung nach sollte man so eine Zugfahrt unbedingt mal gemacht haben. Vor allem für diese großen Entfernungen eine günstigere Alternative zum Flug. Neben Hardsleepern gibt es auch so genannte Softsleeper mit besseren Betten und 4 Leuten/Abteil oder natürlich Sitzplätze – das ist allerdings eine Nummer härter bei der Dauer. Für andere Strecken bietet China mittlerweile auch komfortable Schnellzüge an.

Hardsleeper im Zug nach Chengdu

Hardsleeper im Zug nach Chengdu

WC im Zug

WC im Zug

Ich machs mir auf meiner Pritsche gemütlich

Ich machs mir auf meiner Pritsche gemütlich

Chengdu

In der Hauptstadt der Sichuan Provinz haben wir uns für mehrere Tage in einem Hostel einquartiert, haben die Stadt mit der riesigen Mao Statue erkundet und waren jeden Abend lecker Essen, was ohne Englisch ein richtiges Abenteuer war :-). Hier ist übrigens eine Sprachführer oder das Ohne Wörterbuch eine große Hilfe, vor allem da Janet nur vegetarisches Essen wollte. Traut euch aber unbedingt von den Einheimischen Essensständen zu probieren und in die kleinen unscheinbaren „Wohnzimmer/Garagen-Restaurants“ zu gehen – sehr lecker! Nur mit der Schärfe müsst ihr etwas aufpassen – gerade in der Sichuan Provinz – aua aua der Sichuanpfeffer lässt grüßen ;-).

Mao Statue Chengdu

Mao Statue Chengdu

Chengdu

Chengdu

Chinesisches Barbecue

Chinesisches Barbecue

Hotpot mit Fleisch und Gemüse

Hotpot mit Fleisch und Gemüse

Grillstand

Grillstand

Gebratene Kartoffeln mit Chilli

Gebratene Kartoffeln mit Chilli

Panda Breeding Center  / Aufzuchtstation Chengdu

Pandabären leben dort, wo Bambus wächst. Aus diesem Grund sind die wunderschönen Bären heute auch vom Aussterben bedroht. Allein in der dicht besiedelten Provinz Sichuan wurde in den 70er und 80er Jahren die Hälfte des Lebensraumes des Pandas zerstört. Die chinesische Regierung hat der Abholzung der Baumbuswälder 1998 glücklicherweise ein Ende gesetzt. Damit steigen die Chancen, die seltenen Bären vor dem Aussterben zu bewahren. Allerdings sind die verbliebenen Gebiete bereits sehr fragmentiert. Aus diesem Grund wurden Hilfszentren gegründet.

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Da Pandabären den lieben langen Tag eigentlich nichts anderes machen außer Schlafen und Bambus zu fressen startete dieser Ausflug schon recht früh – zum Frühstück sind die süßen Bären angeblich nämlich etwas lebhafter. Die Bären sehen in Natura wirklich aus wie überdimensionale knuffige Teddybären und es ist sehr amüsant ihnen beim Fressen zu zuschauen. Aktivität hält sich allerdings wirklich in Grenzen. In Zeitlupe schnappen sie sich ihr Futter, lassen sich dann nach hinten auf den Rücken plumpsen und nagen gemächlich an ihrer Lieblingspflanze. Pandabären sind tatsächlich Vegetarier – allerdings haben Forscher herausgefunden, das sie eigentlich mit einem Fleischfresser-Gen ausgestattet sind und sich daher also wohl zum Vegetarier entwickelt haben. Pandabärinnen bringen fast immer Zwillinge zur Welt, die bei der Geburt gerade einmal Hamstergroß sind – wahnsinn, wenn man bedenkt das ein ausgewachsener Panda zwischen 75 und 160 kg wiegt. Meist überlebt nur eines der beiden Babypandas. Falls ihr mehr über die süßen Bären erfahren möchtet, Wikipedia ist bestens ausgerüstet: Pandabär

kleiner roter Panda

kleiner roter Panda

Aufzuchtstation Baby Pandas

Aufzuchtstation Baby Pandas

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Anmerkung zum Panda Breeding Center: Ich habe übrigens ausgiebig Recherche betrieben bevor wir zu den Bären gefahren sind, da ich gegen die Haltung von gesunden Tieren in Gefangenschaft und damit gegen Zoos usw. bin und dies auch nicht mit meinem Besuch und Geld unterstützen möchte. Im Internet konnte ich nur gutes über das Center und das damit verbundene Hilfsprojekt für die Bären finden. Vor Ort war ich dann aber doch etwas geschockt und enttäuscht. Die Anlage der Aufzuchtsstation ist riesig – man braucht mehrere Stunden um durch zu laufen, trotzdem sind einige Käfige der Pandas wirklich klein was man bei der riesigen Anlage wirklich nicht verstehen kann und leider auch ziemlich dreckig. Ich habe eine Mail an das Hilfszentrum geschrieben, mit einigen Fragen, die mich danach beschäftigt haben. Sobald ich Antworten habe, werde ich es euch wissen lassen.

Artgerechte Haltung von Pandas???

Artgerechte Haltung von Pandas???

Wudang Shan – Berg der Mysterien

Wie in einem mystischem Film haben wir uns hier tatsächlich gefühlt. Als wir auf dem Berg ankommen regnet es und die von dichten Wäldern bewachsenen Berge liegen versteckt hinter einem Dunst aus Nebel. Hier fühlen wir uns auf Anhieb wohl, obwohl das Wetter alles andere als einladend ist. Es ist kalt, regnet und vor lauter Nebel sieht man keine zehn Meter weit. Trotzdem, irgendwie magisch. IMG_6051

Nebelwand

Nebelwand

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Kungfu Schule Wundang Shan

Gong Fu Schule Wudang Shan

Jeden Tag bringen zahlreiche Busse Unmengen Besucher nach Wudang Shan. Viele chinesische Firmen nutzen diesen wundervollen Ort für Tagesausflüge und Teamevents. Wir hatten wahrscheinlich wirklich Glück, dass das Wetter so bescheiden war, sonst wäre es auch hier mit der Ruhe vorbei gewesen. Das Wudang Gebirge gehört zu den heiligen taoistischen Orte und zieht mit seinen zahlreichen Tempeln, Klöster und Brücken Pilger aus der ganzen Welt an. Der Höchste Punkt mit 1612m ist der Tihanzufeng (Gipfel der Himmelspforte). Zu dem Gipfel kann man zwar gemütlich mit einer neuen Seilbahn fahren, wir haben uns aber für Laufen entschieden. 4,5 km auf einen Berg klingt machbar. Allerdings war dieser Ausflug dann doch deutlich an der Schmerzgrenze: 4,5 km steile Stufen sind nämlich eine ganz andere Nummer: Treppen, Treppen und nochmals Treppen und das nahezu drei Stunden ohne Unterbrechung – auaaa!

Aufstieg Wudang Berg

Aufstieg Wudang Berg

Auf dem Weg gibt es zahlreiche Tempelanlagen und kleine Essensstände am Wegesrand Sorgen für Verpflegung IMG_6170

Man kann sich auch tragen lassen ;-)

Man kann sich auch tragen lassen 😉

Golden Summit Tempel

Golden Summit Tempel

Geschafft!

Geschafft!

Endlich oben angekommen sind wir vom Regen klatschnass und dürfen einen gigantischen Ausblick genießen: Wudang Shan hinter einer Nebelwand – naja in meiner Fantasie war der Ausblick gigantisch! Stolz es geschafft zu haben war ich auch – runter gings dann aber mit der Seilbahn ;-).

Belohnender Ausblick vom Wudang Gipfel

Belohnender Ausblick vom Wudang Gipfel

Seilbahn vom Golden Summit zurück ins Tal

Seilbahn vom Golden Summit zurück ins Tal

Wieder unten angekommen sind wir stolz und glücklich es geschafft zu haben

Wieder unten angekommen sind wir stolz und glücklich es geschafft zu haben

Wunderschön spazieren gehen kann man einige Busstationen talabwärts am Xiaoyao Valley. Am Busstop wurden wir von Verkäuferinnen angesprungen die uns Gurken, Erdnüsse und Mais in die Hände drückten und meinten „for the monkeys“. Absolut fremdgesteuert haben wir das Gemüse gekauft und dann erst überlegt ob wir grade richtig gehört haben: Affen…? Und tatsächlich, auf unserem Spaziergang begegneten uns hier uns da Äffchen, die hier absolut frei aber wohl durch das leckerer Futter gezähmt leben und gierig ihre Pfoten nach den Leckereien ausstreckten.

Brücke aus der Neuverfilmung von Karate Kid

Brücke aus der Neuverfilmung von Karate Kid

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Und auch von Wudang Shan geht die Reise per Zug im Schlafwagen weiter – diesmal ein besserer Wagen und für Janet auch etwas angenehmer. Nächster Stop: Shanghai.

Bahnhof von Wudang Shan

Bahnhof von Wudang Shan

Zugfahrt nach Shanghai

Zugfahrt nach Shanghai

Shanghai

Der Name bedeutet ins deutsche übersetzt „hinauf aufs Meer“. Aber auch unter vielen anderen Namen ist die gigantische Stadt bekannt wie Tor zur Welt oder Paris des Ostens. Mit ca. 23 Millionen Einwohnern (15 Millionen allein in der Innenstadt) ist Shanghai eine der größten Städte der Welt und die bedeutendste Industriestadt Chinas.
Gerade in dieser Stadt wurde mir wieder deutlich vor Augen geführt wie unterschiedliche dieses riesige Land doch ist. Zwischen Guilin – Chengdu – Wudangshan – Shanghai liegen sozusagen Welten. Shanghai ist von all diesen Orten die westlichste Stadt, geprägt von Expats und Touristen kommt man hier auch mit Englisch viel weiter. Außerdem gibt es zahlreiche Shoppingmöglichkeiten, tolle Restaurants und Bars und kulturell viel zu entdecken.

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Bund at night

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Fußgängerzone der Nanjing Road

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Tradition und Moderne – ein Starbucks in Old Town Shanghai

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Wo habe ich übernachtet?:

  • Guangzhou: Einfaches Hotel mit Raucherzimmern
  • Guilin: Ming Palace International Youth Hostel – Riesiges Zimmer, Wifi, Billiard, Restaurant, Mitarbeiter sind sehr freundlich. Kosten Doppelzimmer ca. 160 Yuan/ 20€
  • Chengdu: Nova Traveller Lodge  – schönes Hostel, freundliche Mitarbeiter und die Lage ist gut für Erkundungstouren zu Fuß. Kosten Doppelzimmer ca. 150 Yuan/ 19€
  • Wudang Shan Gebirge: Nan Yan Hotel – Das Hotel liegt wunderschön weiter oben am Berg beim Nanyan Busstop, Die Zimmer sind einfach aber schön und mit eigenen Badezimmer. Das Essen ist fantastisch – das Beste in ganz Wudangshan 🙂 Kosten Doppelzimmer: ca. 150 Yuan /19€
  • Shanghai: Phoenix Hostel – zentral gelegen, free wifi und frisch renovierte Zimmer für ca. 30€/Nacht. Unten direkt unten gibt es ein leckeres Dumplings-Restaurant.

Fazit: Als wir in China ankamen waren wir beide stark erkältet und durch Fieber geschwächt. Irgendwie hatten wir schon ab der ersten Minute nicht so richtig Lust auf China…Haben sogar versucht unseren Flug nach Tonga auf ein früheres Datum zu verschieben – leider ohne Erfolg – eine Umbuchung sprengte schlichtweg unser Reisebudget. Aber was war eigentlich das Problem mit China? Das Land? Heimweh? Reiseblues? Die Krankheit anfangs? Ehrlich – wir wissen es nicht so genau. Natürlich hat China eine faszinierende Landschaft, ist so groß dass die verschiedenen Provinzen sich sehr von einander unterscheiden und eine Höhepunkt war das Essen: zwar meist abenteuerlich aber unglaublich vielfältig und super lecker. Aber das Reisen war anstrengend, laut, schmutzig – vielleicht war es einfach der falsche Zeitpunkt, vielleicht haben wir einfach mal die Erfahrung gemacht wie es sich in einem Land anfühlt, in das man sich nicht verliebt. Reisen durch China erfordert etwas Pioniergeist, Anpassungsfähigkeit, Geduld und ein großes Verständnis für „andere Länder, andere Sitten.“ Man kann dieses Land mit keinem anderen vergleichen und merkt überall wie stark und schnell sich China gerade verändert. Ein Abenteuer ist so eine Reise allemal!

Randnotiz1: Die Internetzensur ist für eine bloggende Ente deutlich spürbar da man ohne Hilfsmittel weder Facebook noch Google und WordPress nur eingeschränkt nutzen kann. Da gerade ich mich auf der Reise sehr intensiv die neuen Medien für Planung, Recherche und natürlich Berichterstattung nutze und natürlich meine generellen ethischen Bedenken habe war diese Erfahrung ein kleiner Schock. Erkenntnis: es geht auch ohne, aber besser mit und Tipp: falls ihr nicht auf FB, Google & co. verzichten wollt, richtet euch vorher einen VPN ein

Randnotiz2: ich merke in vielen Ländern wie wichtig Kommunikation ist aber auch dass man sehr gut kommunizieren kann wenn man nur wenig oder die Sprache gar nicht spricht. China war dennoch eine große Herausforderung. Neben den genannten Hilfen wie Sprachführer/ Ausdrucke etc. gehört hier Abenteuerlust dazu und schon ist die Bestellung im Restaurant ein unglaubliches Erlebnis. Leichter wird das Reisen wenn z.B. das Hostelpersonal Adressen aufschreiben kann oder bei der Online Buchung von Zugtickets hilft (dies kann man nämlich nur mit einem chinesischen Ausweis, es ist aber deutlich komfortabler und effektiver als am Bahnhof anzustehen und zu verhandeln).

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