Reisebericht Ecuador: Ab in den Dschungel – Cuyabeno Nationalpark

Am liebsten wäre wir ja auf eigene Faust in den Amazonas Regenwald gestartet, hätten uns von einem Guide Flora und Fauna erklären lassen, aus Palmenwedeln eine Unterkunft gebaut und Wasser aus Lianen getrunken. Ganz so lief unser Trip in den Cuyabeno Nationalpark – ein Teil des Amazonas Regenwaldes – allerdings nicht ab. Wir haben uns der Einfachheit halber, und gemeinsam mit Reto und Kordelia (die wir auf den Galapagos Inseln kennengelernt haben), für eine gebuchte Tour entschieden. Bei diesen Touren geht es in bestimmte Teile der Nationalparks, es gibt die Auswahl zwischen einigen Lodges und die Gruppengröße beträgt bis zu 16 Personen. Abseits der touristischen Wege zu reisen ist deutlich schwieriger, zeitintensiver und aus Naturschutzsicht auch nur begrenzt sinnvoll. Das Reisen mit einem Guide ist sogar vorgeschrieben und ebenfalls sehr sinnvoll – der Natur, den indigenen Völkern und der eigenen Gesundheit zu Liebe (80 % der im Dschungel lebenden Tierarten sind Insekten und viele davon giftig).

Naturreservat Cuyabeno

Wir haben uns für die Caiman Lodge im Naturreservat Cuyabeno entschieden. Es wurde nach dem dort fließenden Fluss benannt und umfasst knapp 666.000 Hektar (also fast 940.000 Fußballfelder). Nördlich grenzt es an Kolumbien und östlich an Peru. In diesem Gebiet leben auch heute noch verschiedene indigene Völker, teilweise sogar noch nach ihrer traditionellen Lebensweise und Gebräuchen. Leider wird dies immer weniger möglich, da durch die Erdölförderung und die damit verbundene Umweltverschmutzung ihr natürlicher Lebensraum stetig mehr bedroht wird. Auch wird versucht sie teilweise in den Tourismus einzubinden. Auf der einen Seite ist der Tourismus wichtig für den Regenwald – er bringt Geld, das zum Schutz der Wälder und Tierarten dringend benötigt wird, auf der anderen Seite kann der Tourismus aber auch viel zerstören: Es müssen Unterkünfte gebaut werden, Massen von Menschen durchforsten täglich den Wald und stören die Tiere, die kaum noch Rückzugsmöglichkeiten finden… (Mehr Infos zum Thema Ökotourismus hier).

Welcome to the jungle!

Nach einer fast 18-stündigen Anreise waren wir endlich im Regenwald 🙂 Zwei Stunden dauerte die Bootsfahrt zu unserer Lodge und wir konnten gleich die erste Gruppe Affen beobachten, die munter von Baum zu Baum hüpfte und sogar zwei Anakondas werden trotz ihrer guten Tarnung in den Bäumen entdeckt.

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Auf der Bootsfahrt genossen wir alle die wunderschöne Natur des Dschungels und staunten über die Tierwelt – schießlich sieht man nicht jeden Tag eine Anakonda in 10 cm Entfernung direkt vor sich friedlich auf einem Baumstamm schlummern. Die Reisegruppe war entgegen unserer Hoffnung doch relativ groß und so sollten wir die nächsten Tage in einer Gruppe von insgesamt 13 Personen den Regenwald erkunden.

Der Ablauf der Tour ist fest vorgeplant. Bevor es aber richtig losging wurden wir dschungeltauglich mit Gummistiefeln und Regenponchos ausgestattet. Am ersten Abend gab es dann eine ausgiebige Bootsfahrt durch das Gebiet, wir machten uns auf die Suche nach pinken Delfinen und Caimanen und durften im Sonnenuntergang sogar in einer Lagune baden.

Faultier

Faultier

Mit dem Paddelboot durch den Amazonas

Mit dem Paddelboot durch den Amazonas

Abkühlung in der Lagune umgeben von Regenwald DSC08002

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Zu Besuch beim Stamm der Siona

Am nächsten Tag durften wir den indigenen Stamm der Siona besuchen um einen Einblick in ihre Kultur und Lebensweise zu erhalten. Es war weitaus touristischer als wir dachten und das besuchte Dorf schien sehr entwickelt (mit neuen Gebäuden und Spielplätzen beispielsweise). Ursache dafür sind allerdings vor allem die Gelder und Bestrebungen der Ölfirmen – ein Handel für Förderrechte. Glücklicherweise wird die Ölförderung von der derzeitigen Regierung Ecuadors sehr stark kontrolliert.
Die Siona leben im Einklang mit der Natur, abgeschieden von der Außenwelt. Sie lernen von der Natur und all ihren Gaben zu leben ohne diese zu zerstören. Sie wissen welches Holz sich zum Bau einer Hütte eignet, welche Kräuter bestimmte Krankheiten heilen und können essbare Pflanzen von giftigen unterscheiden. Dieses Wissen geben sie bis heute von Generation zu Generation weiter. Die meisten Regenwaldvölker sind halbe Nomaden, die früher in einem Abstand von ca. 2 Jahren umherzogen sind um neuen fruchtbaren Boden für den Anbau von Mangos, Bambus, Pilzen zu finden. Der Zugang zu Städten stellt heute allerdings eine große Verlockung für die Jugend dar und durch die Abholzung oder Bewirtschaftung der Wälder wird der Lebensraum der indigenen Völker stark eingeschränkt. Somit wird auch der Tourismus und das „Zur Schau stellen“ der eigenen Kultur eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle.

Unser Guide Washington erklärte uns die verschiedenen Jagdwaffen und Fabian ist total vom Blasrohr begeistert – allerdings braucht es ein bisschen Übung bis er trifft, aber wir würden im Dschungel nicht verhungern :-).

Jagd mit dem Blasrohr

Jagd mit dem Blasrohr

Kriegsbemalung

Kriegsbemalung

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Pflanze für Kriegsbemalung

Pflanze für Kriegsbemalung

Die hübsche Kriegsbemalung der Jungs stammt von dieser Frucht. Der Samen enthält rote Farbe die von den Völkern zur Kriegsbemalung der Männer und für Schönheitsrituale der Frauen verwendet wird. Maria – die Frau eines Schamanen – zeigte uns zusammen mit ihrer Tochter ebenfalls wie man aus Maniok ein einfaches Brot herstellt und wir durften dabei kräftig mithelfen.

Maniok wird geerntet und geschält.

Maniok wird geerntet und geschält.

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Manio wird gewaschen

Manio wird gewaschen

Maniok raspeln

Maniok raspeln

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Das Wasser wird ausgepresst und die geriebene Masse wird gesiebt

Das Wasser wird ausgepresst und die geriebene Masse wird gesiebt

Wie ein Crepe wird die Masse auf der Herdplatte verteilt

Wie ein Crepe wird die Masse auf der Herdplatte verteilt

Auf dem Weg zu einem Schamanen wurden wir von einem Kind mit kleinem Äffchen begrüßt – das alles andere als glücklich aussieht. Es stellt sich uns natürlich gleich die Frage Touristenattraktion? Scheinbar wurde die Mutter des kleinen Affen geschossen – hier steht Affenfleisch auf dem Speiseplan und der Affe wird nun als Haustier gehalten. Trotzdem merkwürdig, das er genau zu der Zeit am Bootsanliegeplatz erscheint als wir dort auftauchen. Die Mehrzahl der Gruppe ist aber auch entzückt… Janet ist mal wieder fassungslos.

DSC07805 DSC07808Der Schamane empfing uns in traditioneller Kleidung – die er nach 15 Jahren Ausbildung selbst entworfen hat. Der Hut ist aus verschiedenen Vogelblättern, um den Hals trägt er eine Wildschweinzahnkette und in die Stoffe sind verschiedene Blätter und Lianen eingenäht. Er erklärte uns verschiedene Rituale seines Volkes und ließ uns an seiner Heilkunst teilhaben. Wir lernen viel über „Ayahuasca“: das Gebräu ist ein hallozinogen wirkendes Mittel das im Schamanismus der Amazonasvölker in rituellen und religiösen Zeremonien eingenommen wird da die Schamanen auf diese Weise in die Zukunft blicken, Ahnen und Geister treffen und Krankheiten heilen können. Auch Washington hat uns einiges von diesem „Wundertrank“ erzählt und bis vor einigen Jahren war es noch erlaubt diesen an neugierige Touristen auszuschenken, allerdings nicht immer mit dem besten Ende. Einige von ihnen liefen nach Einnahme wohl nackt durch den Dschungel und mussten anschließend bis zur Ausnüchterung gefesselt werden, anderen hingegen wurde einfach nur tagelang schlecht. In normaler Dosierung hält die Wirkung bis zu drei Stunden an.

Zu Besuch bei einem Schamanen

Zu Besuch bei einem Schamanen

Danach erklärte uns der Schamane eine Heilpflanze die zur Linderung von Rückenschmerzen verwendet wird. Die Pflanze ist übersät mit tausenden kleinen feinen Stacheln und piekst schon bei der kleinsten Berührung wie ein Nadelstich. Fabian opferte sich freiwillig für die Rückenbehandlung. Zunächst wurde die Pflanze besungen, um die volle Heilenergie zu entfalten und damit sie dem Kranken wohlgesonnen ist. Danach wurde die Pflanze zunächst mit sanften Streichbewegungen über den Rücken gewischt, zwischendrin auch mit etwas strärkeren Hieben. Sah auf jeden Fall ganz schön schmerzhaft aus und der Anblick des Rückens spricht wohl für sich. Nach 10 Minuten ist der Schmerz aber auch schon vorbei, die Spuren blieben noch ein bisschen.

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Nachtspaziergang durch den Dschungel

Nachem wir eine kleine Ruhepause in der Lodge hatten brachen wir mit Einbruch der Dunkelheit zu einem Nachtspaziergang durch den Urwald auf – wenn man dabei ganz leise ist kann man beeindruckende und angsteinflössende Geräusche hören und ohne das Licht der Taschenlampe ist überhaupt nichts zu sehen. Schon ein bisschen ein komisches Gefühl – schließlich leben hier jede Menge giftige Tiere. Das Hauptziel unserer Tour war das Auffinden einer Tarantula. Und tatsächlich fand Washington eine dieser Vogelspinnen. Sie saß zurückgezogen in ihrem Erdloch und wurde von ihm mit kleinen Stöckchen hervorgelockt. Mal wieder haben wir kein richtig gutes Gefühl der Natur und Tierwelt gegenüber. Schließlich wurde die Spinne wegen uns Touristen solange geärgert. Es ist natürlich unglaublich beeindruckend solch eine Spinne in freier Natur zu sehen – und diese auf der Hand zu halten, aber ganz bestimmt fühlen sich diese Tiere in ihrem Lebensraum gestört, wenn jeden Abend eine Herde Touristen auf der Suche nach ihnen durch den Wald streift.

Tarantula

Tarantula

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Wanderung bei Tag

Am nächsten Morgen machten wir dann auch eine Tageswanderung durch den Regenwald. Wirklich viele Tiere bekamen wir aber nicht zu Gesicht. Ein paar Affen die durch die Baumwipfel sprangen und den ein oder anderen Vogel. Dafür lernten wir wie die Menschen im Dschungel aus Palmblättern Dächer und Schlafmatten bauen, entdeckten verschiedene Pflanzen und ihre heilende Wirkung und probierten mit einer Schlaufe aus Ranken auf Bäume zu klettern.So richtig in Erklärlaune war Washington aber auch bei diesem Ausflug nicht, was wirklich schade ist, denn sicherlich gibt es hier im Regenwald sehr viel zu entdecken. Action gab es auch: Janet rutschte auf etwas Glitschigem aus, woraufhin alle hinter ihr voller Panik schreien. Sie ist auf eine Schlange getreten. Alle machen sich sorgen ob die Schlange giftig ist und mit ihr alles ok ist – nur sie macht sich sorgen ob mit der Schlange alles in Ordnung ist und ist sehr erleichtert als diese mit erhobenem Kopf ins Dickicht davon schlängelt – typisch. Washington klärte uns kurz darauf auf, dass die Schlange hochgiftig ist und es hier im nächsten Umkreis auch nur ein pflanzliches Gegengift aus dem Urwald gibt – puhhhh!

Aufgrund des Regens war der Weg durch den Urwald war sehr glitschig und Janet bleibt wie einige andere im Matsch stecken und muss gerettet werden 🙂

Wanderung durch den Dshungel

Wanderung durch den Dschungel

Fabian versucht mit der Hilfe einer aus Ranken geflochtenen Vorrichtung den Baum hochzuklettern

Fabian versucht mit der Hilfe einer aus Ranken geflochtenen Vorrichtung den Baum hochzuklettern

 

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Zum Abschluss unserer Regenwaldtour gab es eine riesige Überraschung. Die Angestellten der Lodge haben zusammen eine Band und für uns ein Konzert gegeben. Gitarre, Trommeln, Panflöte – es wurde getanzt und mitgesungen – wirklich ein krönender Abschluss!

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Fazit:

Wir mussten nicht tagelang durch dichten Urwald irren, keinen Schutz vor unerbitterlichen Regenfluten suchen und auch keine Ranken mit der Machete aus dem Weg schlagen. Leider war es viel touristischer als wir uns eine Tour in den Regenwald vorgestellt hatten. Zum Schutz der Tiere und Natur ist es aber richtig, dass nicht einfach jeder querfeldein durch den Dschungel marschieren kann. Leider hat auch unser Guide nur häppchenweise sein Wissen mit uns geteilt – ob dies an der Gruppengröße und den damit verschiedenen Interessen lag- wir wissen es nicht, fanden es aber sehr schade. Trotzdem war die Natur absolut beeindruckend und  auch der Besuch in dem indigenen Dorf hat uns fasziniert. Vielleicht schaffen wir es auf unserer Reise nochmal in den Urwald – dann aber einfach für ein paar Tage alleine mit einem Guide um das Leben im Dschungel wirklich kennenzulernen.

Packliste für den Regenwald:

Ausreichend Kleidung mitnehmen (keine Waschmöglichkeit und die Klamotten werden nass!): lange und kurze Hosen, T-shirts / Tops, Socken, Regenjacke, Moskitospray, Sonnenbrille, Sonnencreme, Hut / Mütze, wasserfeste Tasche, Trinkflasche, Kekse / Chips (für den Hunger zwischendurch)

Das gibt es vor Ort:

  • Regenponcho
  • Gummistiefel
  • Wasser, Kaffee, Tee
  • Frühstück, Mittagessen, Abendessen
  • Moskitonetz

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Reisebericht Ecuador: Ab in den Dschungel – Cuyabeno Nationalpark

  1. galextur

    Hey ich finde euren Blog sehr gelungen! Leider ist es oft so touristisch. Wart ihr eigentlich schon in Galpagos. Das würde euch wahrscheinlich auch sehr gefallen. Ich selber war im Hotel Silberstein und obwohl Galapagos voller touristen ist war es sehr schön weil sie super touren organisiert haben und die Gruppen waren sehr klein. Da müsst ihr auf jeden Fall auch mal hin wenn euch die Artenvielfalt im Regenwald so gefallen hat.

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    1. ducky Beitragsautor

      Hallo Galextur,

      vielen lieben Dank für deine Rückmeldung! Wir waren tatsächlich schon auf den Galapagos Inseln und haben uns total in diese Natur verliebt!
      Einfach einmalig! Hier findest du unsere Erlebnisse auf den Galapagos Inseln:
      http://www.duckyontour.de/die-galapagos-inseln/
      Bist du denn noch auf Reisen unterwegs oder hast etwas geplant?

      Schönes Fernweh!
      Ducky

      Antworten

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